Siebenter Vortrag

GA 122/1910-08-22/p016 ·1910-08-22 · original (original)
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Nach unserer heutigen abstrakten Anschauung wird alles durcheinandergeworfen. Das konnten die alten Seher nicht. Die hatten es nicht so bequem, überall dieselben trivialen Kräfte zu sehen, wie es etwa ein heutiger Physiker tut, der nicht nur Physiker, sondern zu gleicher Zeit zum Beispiel auch Meteorologe sein will. Wer wird denn nach heutigen physikalischen Begriffen daran zweifeln, daß dieselben Kräfte, die, sagen wir, in dem elementarischen Dasein wirken, in dem Festen, Flüssigen und so weiter, auch wirksam sind, wenn sich zum Beispiel innerhalb des Luftkreises die Wolken bilden, wenn sich das Wasser zu den Wolken ballt? Ich weiß ganz genau, daß der Physiker heute gar nicht anders denken kann, daß er als Physiker zu gleicher Zeit auch Meteorologe sein will und daß es für ihn nur einen Sinn hat, wenn er ganz dieselben Gesetze, die er für das Erdendasein in Betracht zieht, auch ausdehnt auf die Bildung der Wassermassen, die als Wolkenbildung unsere Erde umgeben. — Der Seher hat es nicht so bequem. Sobald man auf die geistigen Untergründe zurückgeht, kann man nicht überall dasselbe sehen. Andere geistige Wesenheiten sind da tätig, wenn, sagen wir, aus irgendeinem Gasigen unmittelbar auf dem Erdboden ein Flüssiges sich bildet oder wenn im Umkteise der Erde das Gasige, das Dampfförmige sich zum Flüssigen ballt. Wenn wir also auf das Entstehen des Wässerigen in unserem Luftkreis blicken, dann kann der Seher nicht sagen, das Wässerige entsteht da ganz auf dieselbe Art wie auf dem Erdboden, die schwebende Art entsteht auf dieselbe Art, wie sich Wasser dichtet in dem Erdengrunde selber, auf dem Erdboden selber. — Denn in Wirklichkeit sind andere Wesenheiten an der Wolkenbildung beteiligt als bei der Bildung des Wassers auf dem Erdboden. Das, was ich eben gesagt habe von der Teilnahme der Hierarchien an unserem elementarischen Dasein, das bezieht sich nur auf die Erde, vom Mittelpunkt bis herauf, wo wir selbst stehen, aber dieselben Kräfte reichen nicht aus, um zum Beispiel auch die Wolken zu bilden. Da sind andere Wesenheiten am Werke. Die Naturphilosophie, die sich aus der heutigen Physik bildet, geht nach einem sehr einfachen Grundsatz vor. Sie sucht zuerst einige physikalische Gesetze und sagt, die beherrschen nun alles Dasein. Und dann übersieht sie alles Verschiedene auf den verschiedenen Daseinsgebieten. Wenn man das tut, geht man nach dem Grundsatz vor: In der Nacht sind alle Kühe grau, mögen sie auch noch so verschiedene Farben haben. — Die Dinge sind aber nicht überall dieselben, sondern sie stellen sich auf den verschiedenen Gebieten sehr verschieden dar.

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Cite: GA 122/1910-08-22/p016 · edition original