Sechster Vortrag

GA 123/1910-09-06_02/p019 ·1910-09-06 · original (original)
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Es gab im Judentum immer das, was man bezeichnete als Nasireat oder Nasiräertum. Dieses bestand darin, daß einzelne Menschen auch schon vor der Entstehung der 'Therapeuten- und Essäersekten — auf sich ganz bestimmte Methoden der Seelen- und Körperentwickelung anwandten. Namentlich wandten die Nasiräer eine Methode an, die in einer gewissen Diät bestand und die auch heute noch in gewisser Beziehung nützlich ist, wenn der Mensch in seiner Seelenentwickelung rascher vorschreiten will, als es sonst möglich ist. Besonders enthielten sie sich vollständig der Fleischkost und des Weingenusses. Damit verschafften sie sich die Möglichkeit einer gewissen Erleichterung, weil in der Tat die Fleischkost den geistig strebenden Menschen in der Entwickelung aufzuhalten vermag. Es ist tatsächlich so — was keine Propaganda für den Vegetarismus sein soll -, daß durch die Enthaltung von der Fleischkost alles erleichtert wird. Der Mensch kann in der Seele widerstandskräftiger werden und sich stärker erweisen im Überwinden jener Widerstände und Hemmnisse, die aus dem physischen Leibe und Ätherleibe kommen, wenn die Fleischkost fortfällt. Ertragsamer, ertragfähiger wird dann der Mensch. Aber natürlich wird er es nicht dadurch, daß er sich bloß der Fleischkost enthält, sondern vor allem dadurch, daß er sich in seiner Seele stärker macht. Wenn er sich bloß vom Fleisch enthält, macht er damit nur seinen physischen Körper anders; und wenn dann das nicht vorhanden ist, was von der Seelenseite da sein soll und den Körper durchdringen soll, dann hat das Enthalten von Fleisch gar keinen besonderen Zweck.

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