Sechster Vortrag
Dazu geschieht nun das Gewaltige und Wunderbare, ohne dessen Verständnis wir das ganze große Mysterium von dem Christus Jesus nicht begreifen können. Die Zarathustra-Individualität entwickelte sich während der Knabenzeit im physischen Leibe und Ätherleibe des Jesus des Matthäus-Evangeliums bis zum zwölften Jahre; denn bei dieser Individualität und vermöge des Klimas trat der Zeitpunkt, den wir für unsere Gegenden als den des vierzehnten, fünfzehnten Jahres bezeichnen, etwas früher ein. Da war bis zum zwölften Jahre alles erreicht, was in dem entsprechend zubereiteten physischen und Ätherleibe der salomonischen Linie erreicht werden konnte. Und da verließ in der Tat die Zarathustra-Individualität diesen physischen Leib und Ätherleib, von denen im Matthäus-Evangelium zunächst die Rede ist, und ging über in den Jesus des Lukas-Evangeliums. Denn aus den Vorträgen über das Lukas-Evangelium wissen wir schon, daß in der Tat mit der Erzählung vom zwölfjährigen Jesus im Tempel, wie sie Lukas erzählt (Luk. 2, 42-50), folgendes gemeint ist: Da, wo plötzlich der Jesusknabe des Lukas-Evangeliums seinen Eltern so entgegentritt, daß sie ihn gar nicht verstehen können, wo er ein ganz anderer ist, da hat sich vollzogen, daß in sein Inneres eingezogen ist die Zarathustra-Individualität, die bis dahin ihre Entwickelung in dem physischen Leib und Ätherleib des salomonischen Jesus durchgemacht hat. Solche Dinge gibt es im Leben, so schwer sie auch heute bei der Natur der laienhaften materialistischen Weltanschauung geglaubt werden. Der Übergang einer Individualität aus einem Leib in einen anderen Leib kommt vor. Und damals fand so etwas statt, als die Zarathustra-Individualität den ursprünglichen Leib verließ und hinüberdrang in den Jesus des Lukas-Evangeliums, in dem nun besonders zubereitet war der astralische Leib und der Ich-Träger.
Cite:
GA 123/1910-09-06_02/p024 · edition original