Sechster Vortrag
Zarathustra hatte sich natürlich alle jene Fähigkeiten angeeignet, die man sich aneignen kann durch den Gebrauch der Instrumente des physischen Leibes und des Ätherleibes. Er hatte sich aussuchen müssen die Blutlinie der salomonischen Richtung und die dadurch zubereitete Leiblichkeit, weil dort die starken Kräfte vorhanden und aufs höchste ausgebildet waren. Aus dieser Leiblichkeit nahm er, was er sich aneignen konnte, und das verband er nun mit dem, was aus jener Innerlichkeit stammte, die aus der Jesusgestalt des Lukas-Evangeliums herkam, die herabzog von einer Zeit, da der Mensch noch nicht in einer irdischen Inkarnation war. Diese beiden Dinge verbanden sich jetzt zu einem. Eine Wesenheit haben wir jetzt vor uns. Und zum Überflusse, möchte ich sagen, werden wir jetzt noch auf etwas Besonderes aufmerksam gemacht: Nicht nur die Eltern des Lukas-Jesus nahmen eine besondere Veränderung wahr, fanden etwas, was sie nicht voraussetzen konnten, sondern diese Veränderung zeigt sich auch äußerlich. Warum wird da, als der Jesusknabe von seinen Eltern unter den Schriftgelehrten im Tempel gefunden wird, ganz besonders angeführt: «Und er ging mit ihnen hinab und kam gen Nazareth ... Und Jesus nahm zu an äußerer physischer Wohlgestalt, nahm zu an edelsten Gewohnheiten und nahm zu an Weisheit»? (Luk. 2, 51-52.) Warum werden diese drei Eigenschaften genannt? Weil es drei Eigenschaften waren, die ihm besonders jetzt eignen konnten, wo die Zarathustra-Individualität in ihm war.
Cite:
GA 123/1910-09-06_02/p028 · edition original