Sechster Vortrag

GA 123/1910-09-06_02/p029 ·1910-09-06 · original (original)
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Ich bemerke ausdrücklich, daß diese drei Worte gewöhnlich in den gebräuchlichen Bibeln übersetzt werden: «Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.» Ich möchte wissen, ob man wirklich ein Evangelium braucht, um zu sagen: ein zwölfjähriger Knabe nimmt zu an Alter? Sie finden sogar in der Übersetzung von Weizsäcker: «Und Jesus nahm zu an Weisheit und Gestalt und Gnade bei Gott und Menschen.» Das ist aber alles nicht gemeint; sondern gemeint ist, daß jetzt eine Individualität in dem nathanischen Jesusknaben war, die nicht, wie früher, bloß innerlich war, die sich äußerlich nicht ankündigte, sondern die jetzt, weil sie sich herangebildet hatte in einem vollendeten physischen Leib, auch überging in die äußere physische Wohlgestalt. Aber auch, was in dem Ätherleibe besonders gepflegt wird, was man sich im Ätherleibe aus dem Leben an Gewohnheiten aneignet und ausbildet, das war früher bei dem nathanischen Jesus nicht vorhanden. Bei diesem trat auf eine gewaltige Anlage zur Liebefähigkeit, und darauf konnte jetzt weiter gebaut werden. Aber diese Anlage war mit einem Schlage da, die konnte sich nicht in die Gewohnheiten hineinpressen. Jetzt aber war die andere Individualität da, die in sich die Kräfte hatte aus einem Heranwachsen des physischen Leibes und des Ätherleibes, und jetzt konnten sich auch äußerlich Gewohnheiten zeigen und in den Ätherleib hineingießen. Das ist das zweite, an dem der Jesusknabe zunahm. Das dritte, «an Weisheit», ist schon etwas selbstverständlicher. Der Jesus des Lukas-Evangeliums war nicht weise; er war ein im höchsten Grade liebefähiges Wesen. Aber das Zunehmen an Weisheit war dadurch gegeben, daß die Zarathustra-Individualität in ihn einzog.

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