Sechster Vortrag
In dem sogenannten «Ägypter-Evangelium» findet sich eine merkwürdige Stelle, die schon in den ersten Jahrhunderten als sehr ketzetisch angesehen wurde, weil man darüber in christlichen Kreisen nicht die Wahrheit hören wollte, oder sie nicht aufkommen lassen wollte. ‚Aber es gibt etwas, was sich erhalten hat als ein apokryphes Evangelium und darinnen wird gesagt, «daß das Heil erscheinen wird in der Welt, wenn die Zwei Eines und das Äußere wie das Innere werden wird». Dieser Satz ist ein genauer Ausdruck des Tatbestandes, den ich Ihnen eben aus den okkulten Tatsachen heraus geschildert habe. Davon hängt das Heil ab, daß die zwei einer werden. Und sie wurden einer, als im zwölften Jahr die Zarathustra-Individualität überging in den nathanischen Jesus, und das Innere wurde äußerlich. Die Seelenkraft des Jesus des Lukas-Evangeliums war etwas gewaltiges Innerliches. Aber dieses Innerliche wurde ein Äußerliches, indem die Zarathustra-Individualität, die an dem Äußeren, an dem physischen Leib und Ätherleib des salomonischen Jesus sich herangebildet hatte, diese Innerlichkeit durchdrang und sie gleichsam mit den Kräften durchsetzte, die am physischen und Ätherleibe herangebildet waren. Da durchdrang diesen physischen Leib und Ätherleib des nathanischen Jesus ein Kräftiges von innen heraus, so daß das Äußere jetzt ein Ausdruck des Inneren werden konnte, jenes Inneren, das früher ein Inneres geblieben war, bevor der Lukas-Jesusknabe von der Zarathustra-Individualität durchdrungen worden war. - So waren die zwei eins geworden.
Cite:
GA 123/1910-09-06_02/p032 · edition original