Achter Vortrag

GA 123/1910-09-08/p008 ·1910-09-08 · original (original)
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Das sollte anders werden. Das sollte überwunden werden. Diejenigen, die initiiert werden sollten, sollten immer weniger abhängig bleiben von denen, die ihre Lehrer und Initiatoren sind. Denn mit dieser Hilfe war ein Anderes, Wesentliches verbunden. Wir haben in unserem alltäglichen Bewußtsein ein ganz deutliches Ich-Gefühl, das in einer bestimmten Stunde unseres Daseins erwacht. Darüber wurde schon öfter gesprochen, und Sie finden auch in meiner «Theosophie» den Zeitpunkt charakterisiert, wo der Mensch dazu kommt, sich als ein Ich anzusprechen. Das ist etwas, was das Tier nicht kann. Wenn das Tier in sein Inneres schauen würde wie der Mensch, so würde es nicht ein individuelles Ich, sondern ein Gattungs-Ich, ein Gruppen-Ich finden: es würde sich zugehörig fühlen zu einer ganzen Gruppe. Dieses Ich-Gefühl erlosch in einer gewissen Weise bei den alten Einweihungen. Während der Mensch also in die geistigen Welten hineinstieg, trübte sich sein Ich-Gefühl, und wenn Sie alles zusammennehmen, was ich gesagt habe, werden Sie es begreiflich finden, daß es gut war. Denn das Ich-Gefühl ist es ja, mit dem sich alle die Egoismen, Leidenschaften und so weiter verbinden, die den Menschen absondern wollen von der äußeren Welt. Wollte man nicht die Leidenschaften, die Emotionen bis zu einer gewissen Stärke treiben, so mußte das Ich-Gefühl unterdrückt werden. Es war daher zwar nicht ein Traumbewußtsein, aber doch ein Zustand herabgedrückten Ich-Gefühls bei den Einweihungen in den alten Mysterien vorhanden. Immer mehr und mehr sollte aber darnach gestrebt werden, daß der Mensch fähig werde, die Initiation durchzumachen unter völliger Aufrechterhaltung seines Ich, desjenigen Ich, das der Mensch im Wachbewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen mit sich trägt. Jene Trübung des Ich, wie sie in den alten Mysterien immer mit der Initiation verbunden war, sollte aufhören. Das ist etwas, was ja überhaupt im Laufe der Zeit nur langsam und allmählich erreicht werden kann, was aber heute schon in einem wesentlich höheren Grade in allen zu Recht bestehenden Initiationen erreicht wird: daß das Ich-Gefühl bis zu einem hohen Grade nicht erlischt, wenn der Mensch sich hinauflebt in die höheren Welten.

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Cite: GA 123/1910-09-08/p008 · edition original