{"corpus":"steiner","locus":"GA 123/1910-09-09/p030","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Heute, wo man sich nicht richtet nach dem, was historisch ist, ist es ja so, daß über das, was historisch sein soll, dasjenige entscheidet, was man glaubt. Aber wie sehr es auch heute angezweifelt werden mag, so war es doch - selbst noch bis in die Zeiten des Christus hinein — so, daß zum Beispiel Heilungsprozesse vollzogen werden konnten, indem man den Menschen hellseherisch machte. Für die heutige Zeit, wo die Menschen tiefer hinuntergestiegen sind auf den physischen Plan, ist das ja nicht mehr möglich. Damals aber war die Seele noch leicht anzugreifen, so daß sie durch bestimmte Prozeduren hellseherisch gemacht werden konnte und sich hineinlebte in die geistige Welt. Und da die geistige Welt ein gesundendes Element ist und gesundende Kräfte bis in die physische Welt schickt, so war damit eine Möglichkeit gegeben, Heilungen einzuleiten. Nehmen wir also an, es war jemand krank, so unternahm man solche Prozesse, daß er hineinschaute in die geistige Welt. Und wenn dann die Ströme der geistigen Welt herunterflossen, dann waren es gesundende Ströme, die in seine Wesenheit herunterflossen. Solche Prozesse waren gewöhnlich die Heilungen. Was heute geschildert wird als «Tempelheilung», ist ein ziemlicher Dilettantismus. Alles ist in Entwickelung, und die Seelen sind seit jenen alten Zeiten fortgeschritten von einem Hellsehen zu einem Nicht mehr hellsehen. Früher aber konnte der hellseherische Zustand des Menschen so erhöht werden, daß gesundende Kräfte vom Geistigen aus hereinströmten in die physische Welt, so daß der Mensch für gewisse Krankheiten vom Geiste aus geheilt werden konnte. Daher werden wir uns nicht zu verwundern brauchen, wenn von den Evangelisten erzählt wird, daß jetzt durch das Christus-Ereignis die Zeiten herangekommen sind, wo nicht allein diejenigen in die geistige Welt hineinwachsen können, die das alte Hellsehen haben, sondern auch die, welche vermöge der Evolution der Menschheit das alte Hellsehen verloren haben.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Neunter Vortrag","site_heading":null,"date":"1910-09-09","location":null,"word_count":299,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/123/1910-09-09/p030","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/123/1910-09-09/p030"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/123/1910-09-09/p030","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1910-09-09_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}