Neunter Vortrag

GA 123/1910-09-09_02/p020 ·1910-09-09 · original (original)
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Das sind Sätze, zusammengestellt auf die Weise, wie ich es eben geschildert habe — das heißt, das Vaterunser ist zusammen; es fehlt nur die Nuance, auf die es ankommt, und die hineinkommen mußte, wenn auf die große Bedeutsamkeit des Christus-Ereignisses hingewiesen werden sollte. Und diese Nuance besteht darin, daß in keinem Satz gesagt ist, daß das Reich herniederkommen solle. Es ist gesagt: «Lasse dein Reich über uns herrschen jetzt und immerdar», aber nicht: «Dein Reich komme zu uns!» Das ist das Wesentliche. Aber der Oberflächliche bemerkt es nicht. Und trotzdem diese Sätze zusammengeholt sind, nicht aus einer, sondern aus vielen Bibliotheken, ist auch das nicht aufzufinden gewesen, worauf es im Vaterunser ankommt: «Dein Wille geschehe im Himmel, also auch auf Erden.» Das heißt, er greift ein in das Ich. Hier haben Sie, wenn Sie es nur rein äußerlich wissenschaftlich nehmen, den Unterschied zwischen einer scheinbaren Forschung und einer wirklich gewissenhaften Forschung, die auf alle Einzelheiten Rücksicht nimmt. Und diese wirklich gewissenhafte Forschung ist da, wenn man nur auf sie eingehen will.

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Cite: GA 123/1910-09-09_02/p020 · edition original