Zehnter Vortrag

GA 123/1910-09-10_02/p003 ·1910-09-10 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Daß der Christus Jesus für die Menschheitsevolution zu bedeuten hatte die allmähliche Ausstattung der Kräfte des menschlichen Ich mit jenen Fähigkeiten, welche der Mensch in den alten Mysterien nur hat erlangen können durch eine Art Herabdämpfung seines Ich, das haben wir in den letzten Stunden auseinandergesetzt. Und wollen wir uns noch einmal deutlich vor die Seele rücken, um was es sich handelt, dann können wir sagen: Es war bei allen alten Initiationen die Möglichkeit vorhanden, hinaufzurücken in die geistige Welt, in das, was wir charakterisiert haben als die Reiche der Himmel. Aber durch die ganzen Eigenheiten, Eigentümlichkeiten der alten, vorchristlichen Menschheitsentwickelung war es nicht möglich, hinaufzusteigen in die Reiche der Himmel so, daß das Ich, die eigentliche menschliche Ich-Wesenheit in derselben Verfassung geblieben wäre, in der sie sich befindet gegenüber dem physisch-sinnlichen Plan. Unterscheiden wir also diese zwei Verfassungen der Menschenseele: Die eine ist jene Verfassung, die der heutige normale Mensch kennt als diejenige vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wo er mit seinem Ich wahrnimmt die Gegenstände des physisch-sinnlichen Planes. Und dann haben wir jene andere Verfassung der Seele, bei der dieses Ich herabgedämpft ist, wo kein deutliches Bewußtsein einer solchen Ichheit vorhanden ist. Und innerhalb dieser Seelenverfassung wurde der Mensch in den alten Mysterien hinaufgehoben in die Reiche der Himmel. Diese Reiche der Himmel sollten — einmal im Sinne der Vorläuferpredigt des Täufers Johannes und dann im Sinne der Predigt des Christus Jesus selber heruntergeholt werden, damit die Menschheit einen Impuls bekommen kann zu einer weitergehenden Evolution, durch die unter Aufrechterhaltung der gewöhnlichen Ich-Kraft die Erfahrungen der höheren Welten erlebt werden können. Daher war es nur natürlich, daß uns sozusagen von den Berichterstattern des Christus Jesus-Ereignisses vorgeführt werden alle die Prozeduren, alle die verschiedenen Vorgänge, die in den alten Mysterien mit dem zu Initiierenden vorgenommen worden sind, daß uns aber zu gleicher Zeit angedeutet wird: in alledem lebt eine neue Nuance, die Nuance, daß es jetzt nicht die zweite der beiden charakterisierten Seelenverfassungen ist, die dabei in Frage kommt, sondern diejenige, in der das Ich anwesend ist.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/123/1910-09-10_02/p003.json
Cite: GA 123/1910-09-10_02/p003 · edition original