Zehnter Vortrag

GA 123/1910-09-10_02/p012 ·1910-09-10 · original (original)
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Wenn man nun das Matthäus-Evangelium von diesem Punkt aus verstehen will, wo sich das Spätere an die Bergpredigt und an die Heilungen anschließt, so gehört dazu als Vorbereitung einiges von dem, was wir uns im Laufe der Jahre an Wissen von okkulten Tatsachen erworben haben. Das gehört dazu, daß der Mensch, wenn er nun wirklich durch die Einweihung hinaufgeführt werden soll den Weg in die höheren Welten, zu einer Art von imaginativem Anschauen kommt, zu einem Anschauen, das in Imaginationen lebt. Diejenigen, die um den Christus Jesus waren, mußten sich nun nicht nur die Fähigkeit erwerben, anzuhören, was in einem solchen majestätischen Kundgeben, was in einer solchen Manifestation gegeben ist, wie es die Bergpredigt ist, sie mußten nicht nur teilnehmen an dem, was durch den Christus Jesus selber bewirkt worden war an Heilungen, sondern es mußte die mächtige Kraft, die in dem Christus Jesus wirkte, übergehen auf die nächsten Freunde und Jünger nach und nach. Auch das wird dargestellt. Zunächst wird dargestellt, wie der Christus Jesus nach der Versuchung imstande ist, die alten Lehren mit einer neuen Nuance zu zeigen und die alten Heilungen durch einen neuen Impuls zu bewirken. Dann aber wird gezeigt, wie er in einer neuen Weise auf seine Jünger wirkt, wie die Kraft, die er im höchsten Maße in sich verkörpert hat, auf seine Jünger-Umgebung wirkt. Wie wird das gezeigt? So, daß das, was er darstellt, für den unempfänglichen Menschen so erscheinen muß, daß es auch in Worten ausgedrückt wird. Auf die Empfänglichen aber, die er sich selbst auserwählt und geführt hatte, wirkte es anders. Da wirkte es so, daß es ihnen die Imaginationen gab, daß es die nächsthöhere Stufe der Erkenntnis erregte. Was von Christus Jesus ausging, konnte also in zweierlei Weise wirken: auf die Außenstehenden so, daß sie seine Worte hörten und eine Art Theorie mit seinen Worten empfingen; auf die anderen, die seine Kraft miterlebt hatten und die er sich auserwählt hatte, weil er auf sie, wegen ihres besonderen Karmas, seine Kraft übertragen konnte, auf sie wirkte seine Kraft so, daß sie aus ihrer Seele Imaginationen herauslöste, Erkenntnisse, die in einer gewissen Weise eine Stufe höher in die höheren Welten hinaufweisen. Das ist in dem Ausdruck gegeben «die Äußeren hören nur Gleichnisse» - das heißt, bildliche Ausdrücke für das Geschehen in der geistigen Welt -, «ihr aber vernehmt das, was die Gleichnisse bedeuten, ihr vernehmt die Sprache, die euch in die höheren Welten hinaufleitet» (Matth. 13,11). Auch das darf man nicht trivial auffassen, sondern man muß es verstehen im Sinne eines Hinaufleitens der Jünger in die höheren Welten.

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Cite: GA 123/1910-09-10_02/p012 · edition original