Zehnter Vortrag
So also wird der Christus Jesus im Matthäus-Evangelium klärlich dargestellt als der Behälter, als der Träger für jene Kraft, von der Zarathustra einst verkündigt hat als von dem Träger der Sonnenkraft. Und es ist im Matthäus-Evangelium treulich dargestellt, daß diese Kraft der Sonne, der Geist der Sonne - Ahura Mazdao oder Ormuzd -, von dem ja Zarathustra nur sagen konnte, daß er in der Sonne lebe, durch die Vermittelung des Jesus von Nazareth auf der Erde gelebt hat und sich mit dieser Erde so verbunden hat, daß er durch das einmalige Leben in einem physischen Leibe, Ätherleibe und Astralleibe ein Impuls der Erdenentwickelung geworden ist und sich nach und nach einleben wird in diese Erdenentwickelung. Das heißt mit anderen Worten: In einer Persönlichkeit war die Ichheit einmal so auf der Erde, daß die Menschen nach und nach durch ihre folgenden Inkarnationen sich die Kräfte dieser Ichheit nachfolgend aneignen werden durch Teilnahme an dem Christus oder durch Aufnehmen der Christus-Wesenheit im Sinne des Paulus. Und indem die Menschen von Inkarnation zu Inkarnation den Rest der Erdenzeit durchmachen, werden diejenigen, welche ihre Seele durchdringen wollen mit der Kraft der Persönlichkeit, die damals dagestanden hat, zu immer höheren Höhen steigen. Damals konnten die, welche dazu ausersehen waren, mit ihren physischen Augen im Leibe des Jesus von Nazareth den Christus sehen. Einmal mußte es für die ganze Menschheit im Laufe der Erdenentwickelung geschehen, daß der Christus, der früher nur als der Geist der Sonne zu schauen war, herniedersteigen und sich so verbinden konnte mit den Kräften der Erde.
Cite:
GA 123/1910-09-10_02/p026 · edition original