Elfter Vortrag

GA 123/1910-09-11/p017 ·1910-09-11 · original (original)
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Also es fragt der Christus Jesus in diesem Augenblick: Was muß durch meinen Impuls an den Menschen herankommen? Dasjenige, was das belebende Geistprinzip von oben ist, muß an den Menschen herankommen! So stehen sich gegenüber der «Menschensohn», der von unten nach oben wächst, und der Gottessohn, der «Sohn des lebendigen Gottes», der von oben nach unten wächst. Die müssen wir unterscheiden. Aber wir müssen es begreiflich finden, daß diese Frage für die Jünger eine schwierigere war. Diese Frage wird Ihnen in ihrer ganzen Schwierigkeit für die Jünger besonders dann vor die Seele treten, wenn Sie bedenken, daß die Jünger ja alles das erst empfingen, was die einfachsten Menschen nach der Zeit des Christus Jesus schon eingepflanzt erhalten haben durch die Evangelien. Die Jünger mußten es alles erst durch die lebendigen Lehrkräfte des Christus Jesus in sich aufnehmen. Es war in den Kräften, die sie bereits entwickelt hatten, keine Verständnisfähigkeit für das, was Antwort geben konnte auf die Frage: Wessen Repräsentant bin ich selber? Da wird darauf hingewiesen, daß einer der Jünger, der Petrus hieß, die Antwort gab: «Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes» (Matth. 16,16). Das war in diesem Augenblicke eine Antwort, die, wenn wir so sagen dürfen, nicht aus den normalen Geisteskräften des Petrus heraus war. Und der Christus Jesus - versuchen wir die Sache dadurch lebendig darzustellen, daß wir etwa in gewissem Sinne an die Anschaulichkeit appellieren -, er mußte sich sagen, indem er den Petrus ansah: Es ist viel, daß aus diesem Munde diese Antwort gekommen ist, die sozusagen auf eine fernste Zukunftszeit hindeutet. - Und wenn er dann auf das blickte, was in dem Bewußtsein des Petrus war, was in ihm bereits so war, daß er mit dem Intellekt oder mit den Kräften, zu denen er es durch die Einweihung gebracht hatte, eine solche Antwort geben konnte, dann mußte der Christus sich sagen: Aus dem, was der Petrus bewußt weiß, ist es nicht heraus; da reden jene tieferen Kräfte, die im Menschen sind und die der Mensch erst nach und nach zu bewußten Kräften macht.

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Cite: GA 123/1910-09-11/p017 · edition original