Elfter Vortrag

GA 123/1910-09-11/p024 ·1910-09-11 · original (original)
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In dem Augenblick, da der Christus Jesus den Petrus gegenüber hat, der in seiner tieferen Natur begreifen kann, was eigentlich mit dem Christus-Impuls gegeben ist — die hinunterfließende geistige Kraft durch den Sohn des lebendigen Gottes -, da weiß der Christus, daß er die Umstehenden darauf hinweisen kann, daß jetzt auf der Erde etwas Neues beginnt, ein neues Abbild gegeben werden kann. Während für Abraham in der Blutsverwandtschaft das Abbild der kosmischen Verhältnisse gegeben war, soll jetzt in den ethisch-moralisch-geistigen Verhältnissen ein Abbild dessen geformt werden, was der Mensch durch sein Ich werden kann. Wenn die Menschen verstehen werden in demselben Sinne, wie es die bessere Natur in Petrus versteht, was der Christus ist, dann werden sie nicht nur solche Gemeinschaften, solche Ordnungen einführen, die auf Blutsverwandtschaft beruhen, sondern solche, welche bewußt von Seele zu Seele das Band der Liebe spinnen. Das heißt: Wie in dem jüdischen Blute, in den Fäden, die durch die Generationen hindurchgingen, zusammengefügt war, was im Menschengeschlecht zusammengefügt werden sollte nach dem Vorbild des Maktokosmos, und wie das, was auseinandergelöst war im Menschengeschlecht, eben auch auseinandergelöst war nach den Ordnungen am Himmel, so sollte jetzt aus dem bewußten Ich heraus in den ethisch-moralisch-geistigen Verhältnissen dasjenige entstehen, was die Menschen trennt oder in Liebe zusammenhält. Die Ordnungen der Menschen sollten geformt werden oder harmonisiert werden aus dem bewußten Ich heraus. Das liegt in den Worten, die der Christus Jesus spricht als Fortsetzung der Antwort, die er dem Petrus gegeben hat: «Was du auf Erden binden wirst - was die tiefere Natur in dir bindet -, das ist dasselbe, was im Himmel gebunden ist, und was dieselbe Natur hier unten löst, das ist etwas, was auch im Himmel gelöst wird» (Matth. 16,19).

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Cite: GA 123/1910-09-11/p024 · edition original