Elfter Vortrag
So verhalten sich die Dinge wirklich. Was hat nun die moderne, populäre Bibelkritik daraus gemacht? Sie hat gefunden: Es ist doch ganz unmöglich, daß der Christus Jesus gegenübersteht dem Petrus und von ihm das eine Mal sagt: Du hast allein begriffen, daß ein Gott dir gegenübersteht! — während er gleich darauf ihn das andere Mal einen Satan nennt. Und die Bibelkritiker sagen nun: Also muß man daraus schließen, daß das Wort Satan, das Christus zu Petrus gesprochen haben soll, von einem anderen später eingeschoben worden ist, daß es also eine Fälschung ist. - Richtig ist dabei nur, daß die Meinung, die man in der Gegenwart über den tieferen Sinn dieser Worte aus der philologischen Forschung hat, gar nichts wert ist, wenn nicht vorangeht das sachliche Verständnis der biblischen Urkunden. Erst auf Grundlage des sachlichen Verständnisses der Bibel ist es möglich, daß der Mensch wirklich auch etwas sagen kann über die geschichtliche Entstehung der entsprechenden Urkunden.
Cite:
GA 123/1910-09-11_02/p022 · edition original