VI. Der heutige Stand der Philosophie und Wissenschaft
Wir müssen zwischen zweierlei Einwendungen einen Unterschied machen. Gewiß, die Einwände gegen die Geisteswissenschaft werden nur so hageln von allen Seiten. Wenn wir in der Lage sind, was da heranhagelt, selber zu wissen, selber ausmachen zu können, und dann einfach mit dem, was wir darüber zu sagen haben, nicht gehört werden, dann liegt die Schuld an den anderen, dann können wir es abwarten — wie wir es auch müssen -, bis die Menschen reif geworden sind, unsere Aufstellungen zu verstehen. Tragen aber unsere Aufstellungen den Charakter des Dilettantismus gegenüber den geistigen Bewegungen der Gegenwart, dann liegt die Schuld an uns, wenn wir nicht in der entsprechenden Weise unser Lehrgebäude festigen können. Dazu müssen wir imstande sein: zu unterscheiden zwischen dem, wobei die Schuld an uns ist — und sie ist auf vielen, vielen Gebieten lediglich an uns, sie liegt in der theosophischen Literatur, liegt in der Leichtigkeit, mit der mancher glaubt, in das geisteswissenschaftliche Feld sich hineinfinden zu sollen -, wir müssen also unterscheiden zwischen dem, wobei die Schuld uns trifft, und dem, wo wir ruhig abwarten können, weil wir uns genau das sagen können, was die geistigen Bewegungen der Gegenwart von ihrem Standpunkt aus einzuwenden haben. Wenn wir aber so etwas wollen, dann müssen wir vor allen Dingen uns selber klar sein, worin eigentlich die Unzulänglichkeit der geistigen Bewegungen der Gegenwart liegt. Wir müssen uns ein wenig fragen können, wie sich diese Geistesbewegungen der Gegenwart entwickelt haben.
Cite:
GA 125/1910-08-26/p006 · edition original