VI. Der heutige Stand der Philosophie und Wissenschaft
Wollten wir uns die Sache zeichnen, so könnten wir sagen: Wenn wir uns den Gedankenplan mit dem Erkenntnissubjekt auf diesem Gedankenplan charakterisieren, so fließt von der Seite der Sinneswahrnehmung alles das, was an äußerem, sinnenfälligem Daseinsmaterial durch die Sinne gewonnen werden kann. Innerhalb des Gedankenplanes spüren wir das Hegelsche Selbst weben, das, was man die Dialektik des reinen Denkens nennt. Dann aber müssen wir, wenn wir bloß diesen Weg nehmen, stehenbleiben. Wir müssen abwarten, bis wir in der Lage sind, von der anderen Seite her dasjenige in uns einfließen zu lassen, was wir auf dem Wege empfangen können, der durch meine Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» charakterisiert ist. So sehen Sie, daß sich diese Dinge zusammenschließen, und daß das Hegelsche System für einen gewissen Zeitpunkt ein wunderbares Resümee des Menschengeistes war, daß aber, als dieses gegeben war, ganz sachgemäß das einmal eintreten mußte, wozu sich das Hegelsche System nicht erheben kann. Der Plan steht fix, wo das Erkenntnissubjekt stehen muß; der kann nicht heraufgehoben werden, der kann nur beschrieben werden von der anderen Seite mit dem, was ebenso erkenntnistheoretisch sichergestellt werden kann. So daß wir nicht einseitig bleiben, sondern uns die Möglichkeit aneignen, die strikte erkenntnistheoretische Methode auch da einzusehen, wo die bloße Sinnlichkeit verlassen wird.
Cite:
GA 125/1910-08-26/p011 · edition original