Die Weisheit Der Alten Urkunden Und Der Evangelien. Das Christus-Ereignis
Wenn man nun zunächst geistig den Blick auf ihn richtet, so stellt sich diese Persönlichkeit merkwürdig dar. Indem man auf die Entwickelung des Empedokles zurückblickt, ihn verfolgt in dem, was er als Staatsmann, als Architekt, als Philosoph getrieben hat, wie er umhergezogen ist, wie er seine begeisterten Schüler gehabt hat, wie er sie in die verschiedenen Geheimnisse der Welt eingeweiht hat, wenn man ihn geistig so verfolgt, nicht an der Hand der äußeren Geschichte, dann entdeckt man, daß das eine Persönlichkeit war, die unendlich viel von dem wußte, was erst die heutigen Menschen an wissenschaftlichem Wissen haben. Einen ganz modern gearteten Geist hatte diese Persönlichkeit, eine moderne Aura. Empedokles war in der Tat so weit, daß er nach dem Ursprung der Welt gefragt hat. Und er wäre wirklich auch so weit gewesen, daß er nach dem, wie alles geworden war, den Christus auf dem Wege der Rückschau hätte finden müssen. Der war aber noch nicht da gewesen, den konnte man dazumal noch nicht auf der Erde finden, er fehlte noch auf der Erde. Unter diesen Erlebnissen wurde Empedokles schwankend, und gerade das bildete ein eigentümliches Verlangen in ihm aus, und dieses Verlangen verwandelte sich in ihm — in ganz anderer Art als bei den Triviallingen der heutigen Zeit — in eine Leidenschaft, die Welt materialistisch anzusehen. Luzifer trat an ihn heran. Man muß sich nur lebendig vorstellen, wie das geschah. Er war ein moderner Geist, dabei in die verschiedensten Geheimnisse eingeweiht, hellsichtig in hohem Grade. Durch sein modernes Denken war er geneigt, die Welt materialistisch anzuschauen, und es gibt auch so ein materialistisches System von ihm, in dem er die Welt ungefähr darstellt wie der heutige materialistische Chemiker durch Zusammenmischen und Entmischen der Elemente. Nur unterscheidet er bloß die vier Elemente. Je nachdem sie sich mischen, dachte er, bilden sich die verschiedensten Wesenheiten. Diese Anschauung erzeugte in ihm eine mächtige Leidenschaft, dahinterzukommen, was denn hinter diesen materiellen Elementen, was in der Luft, was in dem Wasser steckt.
Cite:
GA 125/1910-11-13/p012 · edition original