Lebensfragen Im Lichte Von Reinkarnation Und Karma
Wir schauen zurück auf die Kultur der alten Rishis. Sie haben auf den Menschenursprung verwiesen. Hingewiesen haben sie in jene Welt, in welcher der Mensch war, bevor er zu seinen Inkarnationen herabgestiegen ist. Diese Lehre drang durch die Jahrhunderte und Jahrtausende. Der große Buddha hat sie gelehrt, indem er sagte: Alles dies ist den Menschen durch den Hang zur Verkörperung verlorengegangen, was den Zusammenhang mit der Welt des Ursprungs schuf. — Er forderte auf, die Welt der Verkörperungen zu verlassen, damit die Seele wiederum in den geistigen Welten des Ursprungs leben kann. Und hingewiesen haben die Propheten, indem sie den Christus vorherverkündeten, auf eine Zukunft, in welcher die Menschen wiederum ihr rechtes Erdenziel finden werden. Und dann steht der Christus selber da, dann vollzieht er das Mysterium von Golgatha. Und dann kann der Mensch durch dieses Mysterium von Golgatha entgegengeführt werden der göttlich-geistigen Erdenzukunft. Es gibt vielleicht kaum etwas so Erschütterndes als zwei Aussprüche, die ähnlich bei Buddha wie bei Christus sind und die den Gegensatz zwischen alter und neuer Zeit uns vor die Seele stellen können. Buddha steht unter seinen Schülern, er weist sieh in auf den Leib und sagt: Ich schaue zurück von Inkarnation zu Inkarnation, wie ich immer wieder hineingegangen bin in einen solchen menschlichen Leib, wie ich ihn jetzt trage. Und dieser Leibestempel ist mir immer von neuem aufgebaut von den Göttern. Und immer wieder suchte die Seele in neuen Inkarnationen in diesen Leibestempel hineinzukommen. Jetzt aber weiß ich, daß ich nicht mehr nötig habe, in einen Leibestempel zurückzukehren. Ich weiß, es sind zerbrochen die Balken, verfallen die Pfosten. Ich habe durch meine Erkenntnis meine Seele von diesem Leib frei gemacht. Getötet ist Wunsch und Begierde, in einen solchen Leib zurückzukehren. - Das war ein großes, ein gewaltiges Ergebnis der alten Zeit des Zurückschauens auf den Menschenursprung. Buddha und mit ihm seine Schüler und Nachfolger streben an, frei zu werden von dem Leibe. Welch ein gewaltiger Unterschied, wenn der Christus vor seinen intimen Schülern steht und also spricht — ganz gleichgültig, wie wir es auffassen; wir nehmen es als Worte des Christus, wie sie sind —, Christus sagt: Reißet nieder den Tempel meines Leibes, und ich will ihn in drei Tagen wiederum aufbauen. - Er, der Christus, sehnt sich nicht danach, frei zu werden von diesem Leibestempel. Er will ihn wieder aufbauen.
Cite:
GA 125/1910-11-26/p028 · edition original