VIII. Karmische Wirkungen Anthroposophie Als Lebenspraxis
Oh, es muß uns ergreifen, wenn wir den Buddha stehen sehen, sagend: Von Tempel zu Tempel des Leibes bin ich geschritten; jetzt fühle ich, daß es zum letzten Male ist. Wenn wir das vergleichen — und absehen von allen metaphysischen Hintergründen — mit einem intimen Wort, das Christus zu seinen intimen Schülern gesagt hat, mit dem Wort: «Reißt diesen Tempel nieder, und in drei Tagen werde ich ihn wieder aufbauen» -, so sehen wir, daß in dem Buddha die große Sehnsucht vorhanden war danach, daß die Balken des Leibestempels krachen und nicht mehr die Notwendigkeit sei, in ihn zurückzukehren; daß aber in dem Christus das Versprechen war: «Reißet ihn nieder, und ich werde ihn in drei Tagen wieder aufbauen.» Die Liebe zur Erdenwelt drückt sich darin aus, zu den folgenden Inkarnationen der Menschen, in denen diese die Möglichkeit finden, immer wieder und wiederum sich ihren Leibestempel aufzubauen, damit sie immer wieder lernen können und höhersteigen; damit dann, wenn die Erde angelangt sein wird an ihrem Ziel, die Erde selber ein Leichnam wird, sozusagen von der Seelenhaftigkeit der gesamten Menschheit abfällt, so wie unser Leib abfällt von der Seele, wenn wir durch die Pforte des Todes gehen. Dann aber sind die Menschen immer höher und höher gekommen. Indem die Menschen verchristet sein werden, sind sie fähig, hinüberzuleben zu neuen Daseinsstufen als Gesamtmenschheit. Nicht ist gemeint mit dem Ausspruch Christi, daß er selbst in den physischen Leib zurückkehren will, aber daß er zum Prinzip des Leibesaufbauens zurückkehren werde, daß er bei dem Erdendasein bleibt bis ans Ende der Erde.
Cite:
GA 125/1910-12-11/p033 · edition original