Dritter Vortrag

GA 126/1910-12-29/p011 ·1910-12-29 · original (original)
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So ist es in bezug auf die Wissenschaften unserer Zeit, und so ist es mit der Kunst. Diejenige Kunst, die wir charakterisieren als die griechische Kunst, die sozusagen einfacher auf den Menschen reflektierte, die ganz und gar darstellte das bloß Menschliche, das Arbeiten des Ich mit dem Ich, insoweit sich das Ich im sinnlich-physischen Material ausdrückt, diese Kunst hat ihre Epochen gehabt. In unserer Zeit ist bei den wirklich großen künstlerischen Persönlichkeiten wie instinktiv der Drang entstanden, die Kunst zu einer Art von Opferdienst für die göttlich-geistigen Welten zu gestalten, das heißt das, was zum Beispiel in Töne gekleidet wird, anzusehen als eine Interpretation geistiger Mysterien. So wird man kulturhistorisch-okkult einmal anzuschauen haben bis in alle Einzelheiten hinein Richard Wagner. So wird man gerade ihn anzusehen haben als einen repräsentativen Menschen unseres, des fünften Kulturzeitraumes, der den Drang immer gefühlt hat, auszudrücken in dem, was in ihm in Tönen lebte, den Zug nach der spirituellen Welt, der das Kunstwerk als eine äußere Sprache der spirituellen Welt betrachtete. Und da stehen im Grunde genommen die Überbleibsel der alten Kultur und die Morgenröte einer neuen Kultur scharf, schroff selbst, in unserer Zeit sich gegenüber. Haben wir doch gesehen, wie sozusagen das rein menschliche Weben in den Tönen, die rein formale Musik, die Richard Wagner überwinden wollte, in heftiger Weise von den Gegnern Richard Wagners verteidigt wurde, weil sie nicht imstande waren, zu fühlen, daß gerade bei Richard Wagner ein neuer Impuls instinktiv wie eine Morgenröte aufging.

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