Einiges Über Das Innere Der Menschlichen Seele Und Ihr Verhältnis Zur Welt

GA 127/1911-01-08/p019 ·1911-01-08 · original (original)
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Es gibt ja die großen Lichter, welche die Menschen vorwärtsbringen sollen. Aber wo starke Lichter sind, sind oftmals auch ganz starke Schatten. Daher die nicht immer unberechtigten Anklagen gegen diejenigen, die .herunterbringen sollen die Wahrheiten von der geistigen Welt auf den physischen Plan. Es haben sich in jeder solchen Bewegung zu denen, die nichts wollten, als die spirituellen Wahrheiten hinunterfließen lassen in die physische Welt, solche gefunden, die nicht gewollt haben Selbstkritik üben, die nicht gewollt haben Hochmut und Eitelkeit zähmen. Das sind solche geworden, wie wir sie so reichlich sehen innerhalb der spirituellen Bewegungen, und denen gegenüber man sagen muß: Leider kann die Außenwelt zwischen solchen Trägern und denen, welche die wahren Träger sind, nicht immer richtig unterscheiden. — Auch das Umgekehrte findet manchmal statt. Gerade unsere geisteswissenschaftliche Bewegung sollte die Menschen zu freiem Urteilen aufrufen, sollte hinwegfegen alles, was bloß auf äußeren Autoritätsglauben hin herrscht. Solange in der Gesellschaft noch das Gefühl herrscht, es käme auf den Mund an, durch den gesprochen wird, solange ist noch nicht unser Ideal erreicht. Wir sollen nur hören auf das, was dieser Mund spricht, weil die Dinge uns einleuchten, wenn wir mit Wahrheitssinn und unbefangener Logik ihm zuhören. Es ist unsere Bewegung im höchsten Maße geeignet, das freie Urteil des Menschen keimen zu lassen und zu entwickeln; aber es geht durch unsere Zeit ein starker Zug, den man nennen kann: Bequemlichkeit in bezug auf den Glauben. Durch die Bequemlichkeit des Glaubens werden der geisteswissenschaftlichen Bewegung große Hindernisse geschaffen. Dadurch, daß man etwas glaubt, weil es dieser oder jener gesagt hat, wird das freie Urteilen verzögert, das freie menschliche Seelenleben, die Verselbständigung auch in bezug auf die Verstandesseele. Es ist so bequem, nicht denken zu brauchen, und irgendeine Wahrheit nur anzunehmen, weil sie dieser oder jener gesagt hat; es ist viel bequemer, der Person glauben zu können, als zu prüfen, was die Person sagt.

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