Vom Einfliessen spiritueller Erkenntnisse in das Leben
Wenn wir Gedanken, die der geistigen Forschung entstammen, auf uns wirken lassen, zeigt sich uns unser Zusammenhang mit der geistigen Welt. Aber noch etwas anderes sehen wir. Wenn wir recht unglücklich sind, so daß ein anderer nicht fertig werden könnte mit solchem Unglück, zeigt es sich, daß ein Theosoph damit fertig werden kann. Nehmen wir zum Beispiel an, daß ein Mensch, der achtzehn Jahre alt geworden ist und seinem Vater auf der Tasche gelegen hat, nun erlebt: der Vater wird bankerott. Da ist er genötigt, zu arbeiten. Das kann er als ein Unglück empfinden. Er wird darüber fünfzig Jahre alt und ist dabei etwas Ordentliches geworden. Da kann er sagen: Gott sei Dank, daß dieses Unglück geschehen ist, sonst würde ich ein Taugenichts geworden sein. - Wenn man dann nicht mehr im Unglück steckt, kann man das Unglück als ein Erziehungswerkzeug ansehen. Wir müssen uns sagen können: Wir selbst sind es, die uns durch unser Karma zu diesem Unglück gebracht haben, weil wir es in diesem Leben brauchen zu unserer Erziehung. Wenigstens wird ein Mensch, der solche Gedanken fassen kann, in unglücklichen Stunden nicht gegen die Weltenlenkung murren, sondern deren Weisheit erkennen. Das bereitet uns aber nach und nach Stimmungen, die in ganz anderer Weise wirken als solche, die wir haben, wenn wir uns ganz abhängig von «Kraft und Stoff» fühlen. Jetzt weiß man, daß man abhängt von der geistigen Weltenlenkung. Das teilt sich der Stimmung mit, und dann entzieht man sich durch die Einflüsse auf den Ätherleib der Abhängigkeit von «Kraft und Stoff». Dann brauchen wir nicht an die Riviera zu gehen, um unsere Stimmung zu erhöhen, sondern unser geistiger Besitz ermöglicht es uns, unsere Werkzeuge so zu gestalten, daß wir vom Äußeren unabhängig sein können.
Cite:
GA 127/1911-02-26/p022 · edition original