Vom Einfliessen Spiritueller Erkenntnisse In Das Leben

GA 127/1911-02-26/p036 ·1911-02-26 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Da sehen Sie, wie auch das Gesundende in der Umwelt verstanden werden kann, wenn wir bemerken, daß wir auch ein Ich haben. Nun fragen wir: Zeigt sich das in unserer materialistischen Menschheit auch im Verhältnis zur Kunst? Ja, es zeigt sich sehr charakteristisch und eigentlich. Wenn die Menschen wirklich dem gegenüberstehen würden, was zum Beispiel in Hauptmanns oder Sudermanns Dramen dargestellt wird, wie viele würden da ohnmächtig werden! In der Darstellung können sie das gleiche ertragen, das sie im Leben in Traurigkeit versetzen und zum Eingreifen bewegen müßte. Das ist auf der Bühne nicht möglich. Woher kommt eine solche Verkehrung der Tatsachen? Daher, weil in unserem materialistischen Zeitalter die Menschen am meisten in der Peripherie leben, wo das Ich sich nicht bewahrheitet. In der Tat kann uns am meisten zur Traurigkeit stimmen, was als das Furchtbarste in der Weltenentwickelung in dem Mysterium von Golgatha geschehen ist, im Leiden, in der ganzen Tragik des Christus Jesus. Und da können wir am meisten zum Frohlocken gestimmt sein, wo der Sieg, der unmittelbar für die Reiche der Ewigkeit dargestellte Sieg des Lebens über den Tod errungen ist in der Auferstehung. Kein anderer Sieg existiert, wo sich höchstes Halleluja so vereint mit tiefster Traurigkeit, alles Leid in dem Tod auf Golgatha und alle Herrlichkeit der Osterzeit in der Auferstehung - es gibt kein anderes Ereignis, in dem beide, tiefste Traurigkeit und höchstes Frohlocken, so zum Ausdruck kommen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/127/1911-02-26/p036.json
Cite: GA 127/1911-02-26/p036 · edition original