Three Lectures on the Mystery Dramas
Wenn der Mensch einmal praktisch in sein eigenes Leben die Tatsache einführen wird, die zum Ausdruck kommt in der Gliederung der Seele in Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele, dann werden sich ihm rein elementar-gefühlsmäßig in bezug auf seine Stellung, sein Verhältnis zur Welt gewisse Empfindungsrätsel ergeben; Rätsel, die sich gar nicht aussprechen lassen in unserer gewöhnlichen Sprache und unseren gewöhnlichen Begriffsformen, aus dem einfachen Grunde nicht, weil wir heute doch in einer zu intellektualistischen Zeit leben, um durch das Wort und durch alles, was durch das Wort möglich ist, jene feinen Beziehungen zum Ausdruck zu bringen, die sich ergeben zwischen den drei Seelengliedern. Das kann man viel eher, wenn man ein Mittel wählt, durch welches die Beziehung der Seele zur Welt selber als eine vieldeutige und dennoch als eine ganz bestimmte und ausgesprochene erscheint. Was durch die ganze «Prüfung der Seele» hindurch spielt als eine Beziehung aller Vorgänge zu dem, was in den drei Gestalten Philia, Astrid und Luna ausgedrückt ist, das bedurfte eines Ausdruckes in nicht scharfen Konturen, der aber dennoch durch bestimmte seelische Kraftwirkungen etwas hat, was das Verhältnis des Menschen zur Welt anschaulich machen kann. Und das konnte auf keine andere Weise gegeben werden, als indem gezeigt wurde, wie durch die Erzählung dieses Märchens von den drei Gestalten in Capesius’ Seele hervorgerufen wird ein ganz bestimmter Drang, ein ganz bestimmter Vorgang, der ihn reif macht, nun hinunterzusteigen in diejenigen Welten, die erst jetzt wieder beginnen, reale, wirkliche Welten für den Menschen zu werden.
Cite:
GA 127/1911-12-19/p006 · edition original