{"corpus":"steiner","locus":"GA 127/1911-12-19/p013","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Da muß ein gewisser Übergang eintreten. Und es ist kaum durch irgend etwas anderes dieser Übergang in leichterer Weise zu machen als durch eine sinngemäße Wiederbelebung der Märchenstimmung. Die Märchenstimmung hat wirklich, rein äußerlich gesprochen, das an sich, was es dem Menschen der Gegenwart am allerleichtesten macht, seine Seele vorzubereiten auf das Erleben solcher Ereignisse, die hereinleuchten aus höheren, übersinnlichen Welten. Gerade die Art und Weise, wie das Märchen anspruchslos vor uns hintritt und zunächst nicht den Anspruch darauf macht, in irgendeinem Zuge Abbild der äußeren Wirklichkeit zu sein, sondern wie das Märchen kühn sich hinwegsetzt über alle äußeren Gesetze der äußeren Wirklichkeit, gibt aus dem Märchen heraus die Möglichkeit, die menschliche Seelenstimmung vorzubereiten für das Wiederempfangen der höheren, geistigen Welt. Der grobe Glaube, der für die geistige Welt in der alten Zeit dadurch erreicht worden ist, daß die Menschen noch auf einer primitiveren Stufe standen und ein gewisses Hellsehen in ihrer Seele war, muß zerplatzen wie der Riese Troll vor einer äußeren Wirklichkeit. Man kann ihn nur hinhalten durch die klugen Katzenfragen und durch die Katzenerzählungen, die man breit über die äußere Wirklichkeit hinspinnt. Gewiß, man kann lange an so klugen Katzenerzählungen spinnen und zeigen, wie da und dort die Wirklichkeit notwendig macht, daß man zu geistigen Erklärungen seine Zuflucht nimmt. Man kann in breiter Philosophie ausspinnen, wie da und dort manche Frage nur durch das Beziehen auf die geistige Welt beantwortet werden kann. Da behält man etwas wie ein Andenken aus alter Zeit. Man hält den Riesen durch das, was aus den alten Zeiten stammt, eine Weile hintan. Aber gegenüber der klaren Sprache der Wirklichkeit wird das, was aus der alten Zeit geblieben ist, nicht standhalten können, das zerplatzt wie der Riese gegenüber der aufgehenden Sonne. Aber diese Stimmung, das Zerplatzen des Riesen, muß man erst kennen. Und hier berühren wir etwas, wodurch die Psychologie des Märchens in einer gewissen Weise gegeben werden kann. Ich kann diese Dinge nicht theoretisch auseinandersetzen, ich kann das Psychologische des Märchens nur durch Seelenbetrachtung auseinandersetzen und möchte dazu folgendes sagen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Three Lectures on the Mystery Dramas","date":"1911-12-19","location":null,"word_count":338,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/127/1911-12-19/p013","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/127/1911-12-19/p013"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/127/1911-12-19/p013","paragraph_aligned":true}]}