Three Lectures on the Mystery Dramas

GA 127/1911-12-19/p014 ·1911-12-19 · original (original)

Denken Sie sich einmal, es stünden in lebendiger Imagination, wie wir das jetzt auch wieder skizzenhaft in den Vorträgen über Pneumatosophie geschildert haben, mancherlei von den Gebilden der geistigen Welt vor irgendeiner Seele. Gewiß, wir in dem Gebiet der Anthroposophie erzählen vieles aus den geistigen Welten. Das muß lebendig zunächst vor irgendwelcher Seele stehen. Aber es käme nicht viel zustande für die äußere Darstellung, wenn man nur das darstellen wollte, was sich da vor die Seele hindrängt, auch vor die hellseherische Seele. Es kommt eine merkwürdige Disharmonie in der Seele heraus, nicht nur wenn man in die grauenvollen Gespinste des gegenwärtigen Gedankens hineingeheimnissen soll solche Wahrheiten, wie sie hier in unserem Zweige in den letzten drei Stunden über die Saturn-, Sonnenund Mondenzustände auseinandergesetzt werden mußten. Da fühlt man sich gegenüber den Dingen, die da vor der Seele stehen, überall eingeengt. Und was so einfangen muß die Geheimnisse über die höheren Welten, das kommt sich im Menschen selbst recht trollhaft vor. Ein patschiger, trolliger Riese ist man eigentlich, wenn man die Gebilde der geistigen Welt einfangen will. Und vor der Sonne des Tages muß man dann in einer gewissen Weise freiwillig zerplatzen lassen diese Gebilde, um sie der Stimmung der Gegenwart anzupassen, muß sie sozusagen freiwillig hellseherisch zerplatzen lassen an der äußeren Wirklichkeit, kann aber etwas zurückbehalten. Man kann das zurückbehalten, was der arme Bursche zurückbehält. Was Besitz werden kann von der geistigen Welt für unsere unmittelbare Gegenwartsseele, das ist die Umwandlung, aber die sachgemäße Umwandlung des gigantischen Gehaltes der imaginativen Welt in dem Vieldeutigen einer Märchenstimmung. Dann fühlt sich wirklich diese menschliche Seele wie der König, der hingeführt wird zu dem, was zunächst dieser Seele gar nicht gehört, was der Armen-Burschen-Seele gar nicht gehört. Sie kommt aber in diesen Besitz dadurch, daß der gigantische Riese zerplatzt, daß man gegenüber der Wirklichkeit die imaginative Welt aufgibt und sie in den Palast, den die Phantasie zimmern kann, hereinbekommt. Während nämlich in den alten Zeiten die Phantasie der Menschen - die Phantasie des armen Burschen — durch die imaginative Welt gespeist worden ist, kann sie das heute gegenüber der Entwickelungsstufe unserer Seele nicht mehr. Aber dennoch, wenn man zunächst einmal die ganze imaginative Welt aufgibt und das Ganze hereinpreßt in die vieldeutige Märchenstimmung, die sich nicht an die äußere Wirklichkeit hält, dann kann uns etwas in der Phantasie des Märchenspieles zurückbleiben, was eine tiefe, tiefe Wahrheit ist. Das heißt, der arme Bursche, der eigentlich nichts hat als die Katze, als den klugen Verstand, kann gerade in der Märchenstimmung dasjenige haben, was er braucht für die Gegenwart, damit seine Seele erzogen werden kann, um auf eine neue Weise in die geistigen Welten hineinzukommen.

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