Three Lectures on the Mystery Dramas
Merkwürdig ist es, daß Dichter, die dann aus einer ursprünglichen Seelenkraft heraus die Erinnerung wiederbeleben wollen an das, was die ursprüngliche Kraft in einem bestimmten Gebiete war, in einer manchmal ganz unorganischen Weise auf das Frühere zurück weisen wollen. Das ist mit Wilhelm Jordan geschehen, der in seinen «Nibelungen» wieder aufdämmern lassen wollte den alten Stabreim, und der eine merkwürdige Wirkung erzielte, als er als Rhapsode herumzog und diesen Stabreim wieder lebendig machen wollte. Die Leute wußten nicht recht, was das sollte, weil der heutige Mensch in unserer intellektualistischen Zeit die Sprache nur als Ausdruck für einen Inhalt kennt, nur den Inhalt der Sprache kennt und nicht das, was die Empfindungsseele im Anfangsreim zum Ausdruck bringen will, was die Verstandesseele im Endreim zum Ausdruck bringen will. Die Bewußtseinsseele kann eigentlich den Reim in ihrer Art nicht mehr verwenden, da muß der Mensch zu anderen Mitteln greifen. Deshalb wird uns jetzt Fräulein von Sivers [Marie Steiner] den Stabreim in einer kurzen Probe hier zu Gehör bringen, um daran zu charakterisieren, wie ein Künstler wie Wilhelm Jordan wirken wollte, der alte Zustände wieder erneuern wollte.
Cite:
GA 127/1911-12-19/p025 · edition original