{"corpus":"steiner","locus":"GA 127/1911-12-19/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"> Und es nahten die Nornen, von Niemand gesehen,  \n> Zu geräuschlosem Reigen und machten die Runde  \n> Um diese Verlobten. Ein leiser Lufthauch,  \n> Das war die Meinung der Minneberauschten,  \n> Winde sich murmelnd herein zum Kamine;  \n> Doch hinunter zur Nachtwelt, zu Nibelheims Tiefen,  \n> Und hinauf zu den Wolken zu Walhalls Bewohnern  \n> Erklang nun für andre als irdische Ohren  \n> Vernehmlich wie Seesturm der Nornen Gesang:\n> Dein eigen ist alles\n> Dein Heil wie dein Unheil,  \n> Dein Wollen und Wähnen  \n> Dein Sinnen und Sein.  \n> Wohl kommen, gekettet  \n> In ewige Ordnung  \n> Die Larven des Lebens  \n> Die Scharen des Scheins;  \n> Sie ziehen die Zirkel  \n> Sie zeigen die Ziele  \n> Sie impfen den Abscheu  \n> Sie wecken den Wunsch;  \n> Doch dein ist das Dünken  \n> Und wie du geworden  \n> So wirst du dich wenden,  \n> Wir wissen die Wahl.  \n> Es formt unser Finger  \n> Aus ewigem Vorrat  \n> Den Faden des Lebens  \n> Das einzelne Los.  \n> Wir spinnen und spulen  \n> Und weifen und weben  \n> Den Teppich der Taten  \n> Am Webstuhl der Welt.  \n> Gezogen vor Zeiten  \n> Von uns ist der Zettel,  \n> Dein eigen der Einschlag,  \n> Das Muster, o Mensch!  \n> Doch je schöner dein Schiffel  \n> Die mächtigen Maschen  \n> Zum Bilde verbunden\n> Je näher der Neid.\n> Wohl gönnen’s die Götter\n> Des lauteren Lichtes\n> Allmählich zu mehren\n> Das menschliche Maß.\n> Doch die Nachtwelt beneidet\n> Das Wachstum gen Walhall\n> Und Teil hat die Tiefe\n> Am sterblichen Stoff.\n> Sie mengt in das Muster\n> Verbotene Bilder:\n> Da trübt sich die Treue\n> Da schwindet der Schwur;\n> Da knüpft sich der Knoten,\n> Verwirrt das Gewebe\n> Und schnell dann zerschneidet’s\n> Die Schere der Schuld.\n> Der Sonnengott senkte  \n> Zum Schoße der Schönsten  \n> Zu lauterstem Streben  \n> Den leuchtendsten Strahl.  \n> Da sandten Versucher  \n> Die Goldesbegierde,  \n> Die trüglichen Träume  \n> Wir wußten die Wahl!  \n> Dein eigen ist Alles  \n> Dein Heil wie dein Unheil,  \n> Es lenken die Lose\n> Dein Herz und sein Hang. Dein Stern war im Steigen, Nun winkt ihm zur Wende, Beneideter Sigfrid,\n> Der Nornen Gesang.\n> So hallte gen Himmel und nieder zu Hela,  \n> Wie, an Felsen gebrochen, das Brausen der Brandung,  \n> Wie Wettergedröhne die Weise der Drei.  \n> Doch bewußtlos umweift und umwoben vom Schicksal, Hielten sich herzend der Held und Krimhilde  \n> Und tauschten die Seelen in süßestem Taume]  \n> Mit Lippen, erglühend von Lust und von Glück.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Three Lectures on the Mystery Dramas","date":"1911-12-19","location":null,"word_count":433,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/127/1911-12-19/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/127/1911-12-19/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/127/1911-12-19/p026","paragraph_aligned":true}]}