{"corpus":"steiner","locus":"GA 127/1911-12-21/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Bei einer solchen Gelegenheit kann man so recht sehen, wie die unbewußte oder die unterbewußte Vernunft und Geistigkeit der Menschen weit, weit höher steht als das, was der Mensch mit seinem Bewußtsein dann umschließen kann. Wir haben oftmals Grund, dasjenige, was die Menschen aus den verborgenen Seelentiefen in der Vergangenheit festgesetzt haben, viel mehr zu bewundern als das, was sie festsetzten aus ihren verstandesmäßigen Gedanken und aus dem, was sie begrifflich erfassen konnten. Wie unendlich weise erscheint es uns, wenn wir den Kalender aufmachen und für den 25. Dezember verzeichnet finden das Geburtsfest des Christus Jesus und dann im Kalender verzeichnet sehen für den 24.Dezember «Adam und Eva». Man möchte sagen: Anschaulich, vernünftig, geistig konnte einem das vor Augen treten aus dem dumpfen, unterbewußten Schaffen im Mittelalter, wenn da oder dort gegen die Weihnachtszeit die mittelalterlichen Weihnachtsspiele von Leuten dieser oder jener Orte aufgeführt werden sollten. Wenn, wie man sie nannte, die «Singer» zu ihren Weihnachtsspielen zogen, da wurde vorangetragen der «Paradiesbaum». Wie im Kalender «Adam und Eva» vor dem Christ-Geburtstagsfest erschien, so erschien in den mittelalterlichen Weihnachtsspielen der Baum des Paradieses vorangetragen der Truppe, welche zur Aufführung dieser Weihnachtsspiele schritt. Kurz also, es gab einmal etwas, was die tiefen, verborgenen Seelenuntergründe der Menschen veranlaßte, irdischen Menschenanfang und Jesu-Geburtsfest unmittelbar zusammenzustellen. Im Jahre 353 gab es selbst im kirchlichen Rom noch nicht den 25. Dezember als Jesu-Geburtstagsfest. Denn 354 wurde zum ersten Male auch im kirchlichen Rom das Jesu-Geburtstagsfest am 25. Dezember gefeiert. Vorher wurde etwas gefeiert, bei dem man ein ähnliches Bewußtsein hatte wie später an dem Jesu-Geburtstagsfest, nämlich der 6. Januar als der Tag der Erinnerung der Johannestaufe im Jordan, als der Tag, welcher der Gedenktag war des Herunterkommens des Christus aus den spirituellen Höhen und des Sich-Versenkens des Christus in den Leib des Jesus von Nazareth. Das war ursprünglich die Geburt des Christus in dem Jesus, die Erinnerung an den großen geschichtlichen Augenblick, der uns symbolisch dargestellt wird durch das Weilen der Taube über dem Haupt des Jesus von Nazareth. Der 6. Januar war der Erinnerungstag an die Geburt des Christus in dem Jesus von Nazareth.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Weihnachten - ein Inspirationsfest","site_heading":null,"date":"1911-12-21","location":null,"word_count":349,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/127/1911-12-21/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/127/1911-12-21/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/127/1911-12-21/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}