Weihnachten - ein Inspirationsfest
Oh, es ist ein wunderbarer Gedanke, der wie mit einer wunderbaren Empfindung in unserer Seele sich vermählt, wenn wir sehen, wie in jenen Jahrhunderten, die auf das vierte folgten, welches das Jesu-Geburtstagsfest zuerst auf den 25. Dezember verlegt hat, sich hineingießt in die Seele jener Menschen gerade das Bewußtsein von dem durch die kindliche Natur zu erweckenden Vertrauen, indem in der Malerei, in den Weihnachtsspielen, allüberall sich zeigt, wie vor dem Jesuskinde, vor dem göttlichen Kinde, vor dem göttlichen Ursprung des Menschen sich beugen die Wesen aller Erdenreiche. Es tritt uns entgegen das wunderbare Krippenbild, wie sich die Tiere neigen vor dem Ursprungsmenschen; es gliedern sich daran jene wunderbaren Erzählungen wie etwa diese, daß, als Maria das Jesuskind auf der Reise nach Ägypten getragen hat und die Grenze überschritten worden war, sich ein Baum gebeugt hat, ein uralter Baum vor Maria mit dem Jesusknaben. Daß sich in einer merkwürdigen Weise in der Weihnachtsnacht die Bäume dem großen Ereignis beugen, tritt uns sagenhaft entgegen in den Legenden fast ganz Europas. Wir könnten nach Elsaß, nach Bayern gehen, überall treten uns die Legenden entgegen, wie gewisse Bäume Früchte tragen in der Weihnacht, wie sie sich neigen in der Weihnacht: alles wunderbare Symbole, die ankündigen sollen, wie sich tatsächlich die Geburt des Jesuskindes offenbart als etwas, das mit dem ganzen Leben der Erde zusammenhängt.
Cite:
GA 127/1911-12-21/p015 · edition original