Zweiter Vortrag

GA 128/1911-03-21/p005 ·1911-03-21 · original (original)
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Wir haben gestern schon gesehen, wie uns die äußerliche Betrachtung sowohl des Laien als auch der Wissenschaft dazu führen muß, den Menschen gewissermaßen als eine Zweiheit anzusehen. Wir haben diese Zweiheit der menschlichen Wesenheit gestern schon flüchtig charakterisiert - wir werden darauf noch genauer einzugehen haben -, und wir haben dasjenige an der menschlichen Wesenheit genauer betrachtet, was eingeschlossen ist in die schützende Knochenhülle des Schädels und der Rückenwirbel. Dabei haben wir gesehen, wie wir, wenn wir ausgehen von der äußeren Gestaltung und Form dieses Teils des Menschen, schon einen vorläufigen Ausblick gewinnen können in den Zusammenhang desjenigen Lebens, das wir unser waches Tagesleben nennen, mit jenem anderen, zunächst für uns natürlich sehr von Zweifeln durchwobenen Leben, das wir das Traumleben nennen. Wir haben gesehen, daß schon die äußeren Formen des charakterisierten Teiles der Menschennatur eine Art Abbild geben, eine Art Offenbarung bedeuten: auf der einen Seite des Traumlebens, dieses chaotischen Bilderlebens, und auf der anderen Seite des mit scharf umrissener Beobachtung ausgestatteten wachen Tageslebens. Heute werden wir zunächst einen flüchtigen Blick zu werfen haben auf das andere Glied der menschlichen Zweiheit, das sich gewissermaßen außerhalb des Bereiches befindet, den wir gestern ins Auge gefaßt haben. Schon der alleroberflächlichste Blick auf diesen zweiten Teil der menschlichen Wesenheit kann uns darüber belehren, daß dieser in gewisser Beziehung das entgegengesetzte Bild dessen zeigt, was wir bei Gehirn und Rückenmark ins Auge gefaßt haben. Gehirn und Rückenmark sind von Knochenbildungen als schützender Hülle umschlossen. Betrachten wir den anderen Teil der menschlichen Natur, so müssen wir entschieden sagen, daß wir hier die Knochenbildung mehr in den Organismus hineingegliedert finden. Doch das wäre nur eine ganz oberflächliche Betrachtung. Tiefer hinein in das Gefüge dieses anderen Teiles der Menschennatur werden wir schon geführt, wenn wir die bedeutendsten Organsysteme auseinanderhalten und sie zunächst äußerlich vergleichen mit dem, was wir gestern kennengelernt haben.

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Cite: GA 128/1911-03-21/p005 · edition original