Zweiter Vortrag
Nun wird sich uns gerade das, was in diesem Bewußten und Unbewußten liegt, dadurch näher aufklären, daß wir etwas anderes zu Hilfe nehmen. Sie wissen alle, daß die äußere Wissenschaft davon spricht, daß das Nervensystem das Organ des Bewußtseins ist mit allem, was dazugehört. Nun müssen wir als Grundlage für unsere okkulten Betrachtungen eine gewisse Beziehung ins Auge fassen, die das Nervensystem zum Blutsystem hat, das heißt zu dem, was wir ja heute schematisch ins Auge gefaßt haben. Da sehen wir, daß unser Nervensystem überall in gewisse Beziehungen tritt zu unserem Blutsystem, daß das Blut überall an unser Nervensystem herandringt. Dabei müssen wir nun zunächst auf das Rücksicht nehmen, was die äußere Wissenschaft diesbezüglich für etwas Ausgemachtes hält. Sie ‚hält das für ausgemacht, daß im Nervensystem der gesamte Regulator liege aller Bewußtseinstätigkeit, alles dessen, was wir als bewußtes Seelenleben bezeichnen. Wir können nicht umhin — zunächst auch nur andeutungsweise, um es später zu belegen -, uns zum Bewußtsein zu bringen, daß das Nervensystem für den Okkultisten nur wie eine Art von Grundlage des Bewußtseins dasteht. Denn gerade so, wie sich in unseren Organismus eingliedert das Nervensystem und berührt wird oder wenigstens in einem gewissen Verhältnis steht zum Blutsystem, so gliedert sich in die Gesamtwesenheit des Menschen dasjenige ein, was wir nennen des Menschen astralischen Leib und des Menschen Ich. Und schon eine äußerliche Betrachtung kann uns zeigen — und ich habe ja öfter in meinen Vorträgen darüber gesprochen -, daß das Nervensystem in einer gewissen Weise eine Offenbarung des Astralleibes ist und das Blut eine Offenbarung des Ich. Wenn wir in die unbelebte Natur gehen, so sehen wir ja, wie wir den Gesteinen, Mineralien und so weiter nur einen physischen Leib zuzuschreiben haben in den Teilen, die sie uns darbieten. Wenn wir dann von den unbelebten, unorganischen Naturkörpern zu den belebten Naturkörpern aufsteigen zu den Organismen, so müssen wir uns denken, daß diese Organismen durchsetzt sind von dem sogenannten Ätherleib oder Lebensleib, der in sich die Ursachen der Lebenserscheinungen enthält. Wir werden später schon sehen, daß die Geisteswissenschaft von diesem Ather- oder Lebensleib nicht so spricht, wie die äußere Wissenschaft von einer spekulativen Lebenskraft gesprochen hat. Wenn die Geisteswissenschaft vom Ätherleibe spricht, spricht sie von etwas, was das geistige Auge wirklich sieht, also von einem Realen, das dem äußeren, physischen Leibe zugrundeliegt. Wenn wir die Pflanzen betrachten, müssen wir ihnen einen Ätherleib zuschreiben. Steigen wir hinauf von den Pflanzen zu den empfindenden Wesen, den Tieren, so ist es das Element des Empfindens, des inneren Erlebens, welches das Tier von der Pflanze unterscheidet. Wenn wir uns nun fragen, was muß sich eingliedern dem tierischen Organismus, damit er hinaufgehoben werden kann von den bloßen Lebensvorgängen zu Empfindungen, die die Pflanzen noch nicht haben, so ist die Antwort: Soll die bloße Lebenstätigkeit, die sich noch nicht verinnerlichen kann, noch nicht zur Empfindung entzünden kann, sich zur Empfindung, zum innerlichen Erleben entzünden können, so muß sich in den tierischen Organismus eingliedern der Astralleib. Und in dem Nervensystem, das die Pflanzen noch nicht haben, müssen wir den äußeren Ausdruck, das Werkzeug des Astralleibes sehen. Der Astralleib ist das geistige Urbild des Nervensystems. Wie das Urbild zu seiner Offenbarung, zu seinem Abbild, so verhält sich der Astralleib zu dem Nervensystem.
Cite:
GA 128/1911-03-21/p017 · edition original