Zweiter Vortrag

GA 128/1911-03-21/p019 ·1911-03-21 · original (original)
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Nun ist es notwendig, uns zu erinnern, daß das Blut, welches in der angedeuteten Weise durch den Organismus strömt, auf der einen Seite sich darbietet der Außenwelt, vergleichsweise wie eine Tafel den Eindrücken der Außenwelt entgegentritt, auf der anderen Seite sich dem entgegenhält, was wir die innere Welt genannt haben. Ja, so ist es auch mit unserem Ich. Wir richten unser Ich zunächst auf die Außenwelt, nehmen die äußeren Eindrücke auf. Da ergibt sich ein mannigfaltiger Inhalt in unserem Ich; es wird erfüllt von den Impressionen, die von außen kommen. Dann gibt es auch diejenigen Augenblicke, wo das Ich sozusagen in sich selber bleibt, wo es hingegeben ist seinem Schmerz, seinem Leid, an Lust und Freude, an die inneren Gefühle und so weiter, wo es sogar aus dem Gedächtnis aufsteigen läßt, was es jetzt nicht unmittelbar durch die Berührung mit der Außenwelt empfängt, sondern das, was es in sich trägt. Also auch in dieser Beziehung ist das Ich zu parallelisieren mit dem Blut, daß es sich wie eine Tafel darbietet einmal der äußeren Welt und einmal der inneren Welt; und wir könnten dieses Ich genauso schematisch darstellen, wie wir das Blut schematisch dargestellt haben (siehe Zeichnung Seite 42). Wir können die äußeren Eindrücke, die das Ich bekommt, indem es sie als Vorstellungen, als Seelengebilde faßt, in dieselbe Beziehung bringen zum Ich, wie wir die realen, durch die Sinne zu uns kommenden äußeren Vorgänge zum Blut in Beziehung gebracht haben; wir können also die Seelenereignisse, genauso wie beim körperlichen Leben, auf der einen Seite zum Blut, auf der anderen Seite zum Ich in Beziehung bringen.

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Cite: GA 128/1911-03-21/p019 · edition original