{"corpus":"steiner","locus":"GA 128/1911-03-27/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben im Verlaufe dieser Vorträge wohl den Eindruck bekommen können, daß sich die verschiedenen Organsysteme und Gliederungen des menschlichen Organismus in der allerverschiedensten Weise beteiligen an dem Gesamtprozesse dieses menschlichen Organismus. Wir haben auf verschiedenes in dieser Richtung hinweisen können und uns schon im Verlaufe der bisherigen Vorträge bemüßigt gesehen, die Tätigkeiten, die in den verschiedenen Organsystemen wirken, vorläufig einmal zuzuteilen höheren, übersinnlichen Gliedern der menschlichen Organisation. So zum Beispiel mußten wir sagen, daß mit dem, was wir das menschliche Ich nennen, in einem innigen Zusammenhange steht der menschliche Blutkreislauf, so daß wir das Blut ansprechen konnten als ein Werkzeug des menschlichen Ich. Wir haben ferner das, was wir Bewußtseinsleben nennen, zuteilen können dem Nervensystem. Wir haben aber auch gezeigt, wie ein besonderer Teil des Nervensystems — das sympathische Nervensystem — in gewisser Weise eine entgegengesetzte Aufgabe hat wie der andere Teil des Nervensystems, eine Aufgabe, welche darin besteht, alles, was in den Tiefen des Organismus des Menschen sich abspielt, was hervorgerufen wird durch die Tätigkeit des inneren Weltsystems, sozusagen zurückzuhalten, so daß es bei normaler körperlicher Verfassung nicht bis zum Horizonte des Ich, also bis ins Tagesbewußtsein heraufdringt. Wir haben gestern ferner versucht, wenigstens annähernd zu erkennen, daß sich dem bewußten Leben des Menschen am meisten das entzieht, was sich in dem festen Knochengerüst aufbaut; wir haben aber doch betonen müssen, wie schon in diesem festen Knochengerüst des Menschen tätig sein muß ein solches Wesenhaftes, das zuletzt den Menschen fähig macht, das Organ seines bewußten Ich-Lebens, den Blutkreislauf, zu entfalten. So können wir auch sagen: die Einlagerung des menschlichen Knochensystems bedeutet für den Gesamtorganismus des Menschen, daß er überhaupt eine menschliche Form erhalten kann und daß alles, was vorgeht innerhalb der Prozesse, die sich in dem festen Knochensystem abspielen, unterhalb der Schwelle des Bewußtseins gehalten wird. Immer haben wir es in der menschlichen Organisation mit etwas ähnlichem zu tun, nämlich damit — wir wollen uns insbesondere in diesem Punkte richtig verstehen -, daß das, was innerhalb dieser menschlichen Organisation ist, gleichsam behütet wird vor den Einflüssen, die in unserem Umkreise und in der großen Welt des Kosmos sich abspielen. Wir haben gesagt, daß die Glieder des iinneren Weltsystems, jene sieben Organe, die gewissermaßen das äußere Planetensystem in unserem Innern spiegeln — insbesondere die Milz -, die äußeren Gesetze dessen, was wir als Nahrung aufnehmen, zurückhalten, gleichsam von diesen Gesetzen befreien, und daß die Nahrungsstoffe so in den menschlichen Organismus aufgenommen werden, daß sie sich als filtriert erweisen, so daß sie nicht in einer solchen Gestalt in den menschlichen Organismus hineinkommen, daß sie innerhalb desselben in einer eigenen Gesetzmäßigkeit und eigenen Regsamkeit walten können. In der, ich möchte sagen, gröbsten Weise haben wir für den Menschen und die höheren Tiere dieses Behüten innerer Vorgänge gegenüber den äußeren Einflüssen ja schon in der Blutwärme gegeben. Diese Blutwärme, die innerhalb enger Temperaturgrenzen liegt, wird durch eine innere Gesetzmäßigkeit erhalten und ist unabhängig von den Wärmevorgängen des Makrokosmos, der großen Welt, die um uns herum sich abspielen. Hier haben Sie recht anschaulich eine Art von Grundphänomen in dieser Konstanz der Blutwärme. So müssen wir immer darauf hinweisen, wie ein Wesentlichstes der inneren Organisation des Menschen darin besteht, daß ein begrenztes Wesenhaftes abgeschlossen wird gegenüber dem Makrokosmos und seine eigenen Regsamkeiten entwickelt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-03-27","location":null,"word_count":539,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/128/1911-03-27/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/128/1911-03-27/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/128/1911-03-27/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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