Siebenter Vortrag

GA 128/1911-03-27/p016 ·1911-03-27 · original (original)
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Wir müssen uns nun die Frage vorlegen: In welchem Grade wächst denn dieses innere System, das wir als ein inneres Weltsystem bezeichnet haben, dem bewußten Seelenleben des Menschen entgegen? — Wenn wir auf der einen Seite bedenken, daß wir in dem Knochensystem die festeste Stütze in unserem physischen Körper haben, die dem Blutsystem so seine Anordnung gibt, daß es an den richtigen Orten wirkt, um sich als Werkzeug des Ich entfalten zu können, so müssen wir auf der anderen Seite auch sagen, daß das Knochensystem diejenigen Organe stützt und in der richtigen Lage hält, die wir früher als innere Weltsysteme bezeichnet haben. Denn was mit dem Blute geschieht, das kommt auch diesen Organen zugute. Wenn Sie alle diese Organsysteme betrachten, wird Ihnen auffallen, daß Sie in deren Anordnung nichts entdecken können, was so wesentlich und innig mit der äußeren Form des Menschen zusammenhängt wie das Knochensystem. Es ist die Grundlage der menschlichen Form, und was sich um das Knochensystem herum hineinbaut und auflagert, das kann sich nur so hineinbauen und auflagern, weil das Knochensystem die Grundform abgibt. Auch die Haut als äußere Körperbegrenzung ist gleichsam vorgebildet durch die ganze Gestaltung des Knochensystems. Goethe hat das in einem schönen Ausspruch gesagt, nicht bloß vom ästhetischen, sondern auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus: «Es ist nichts in der Haut, was nicht im Knochen ist.» Das heißt, in der äußeren Hautgestaltung drückt sich dasjenige aus, was schon durch das Knochensystem vorgebildet ist. Dasselbe können wir von unserem inneren Weltsystem nicht sagen. Andererseits zeigt aber gerade das Heraufrücken der Wirkungen des inneren Weltsystems zu niederen Graden des Bewußtseins, daß dieses innere Weltsystem etwas zu tun hat mit unserem Astralleib; denn der Astralleib ist der Träger des Bewußtseins. So müssen wir daher sagen, daß zwar dieses innere Weltsystem uns nicht erscheinen kann als ein Ausdruck des unterbewußten Ich, des in tiefen Untergründen gelegenen formbildenden Ich, daß es uns aber als das erscheinen kann, was uns durch den ganzen Weltenprozeß als Ausdruck der Umwelt so eingegliedert ist, daß es einen ähnlichen Bezug hat zu unserem Astralleib, wie das Knochensystem die Grundlage abgibt zu der das Ich umfassenden menschlichen Form. Wir können daher sagen: Wir haben im Knochensystem schon vorgebildet, tief unten im Unterbewußten, das menschliche Ich, und in dem, was wir unser inneres Weltsystem nennen, haben wir dasjenige vorgebildet, was wir unseren Astralleib nennen.

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Cite: GA 128/1911-03-27/p016 · edition original