Siebenter Vortrag

GA 128/1911-03-27/p019 ·1911-03-27 · original (original)
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So haben wir auch hier die beiden entgegengesetzten Pole. Indem der Mensch denkerisch tätig ist, sind die Gedankenprozesse dasjenige, was uns innerlich zu einem festen Wesen macht. Unsere Gedanken sind in einer gewissen Weise unser inneres Knochengerüst. Der Mensch hat bestimmte scharfumrissene Gedanken; unsere Gefühle dagegen sind unbestimmt, lavierend, bei jedem Menschen mehr oder weniger anders. Die Gedanken bilden feste Einschlüsse im Gefühlssystem. Während diese festen Einschlüsse im bewußten Leben sich ausdrücken im Blut durch eine Art von regsamem, beweglichem Salzablagerungsprozeß, drückt sich das, was das Ich vorbereitet, im Knochensystem so aus, daß der Makrokosmos unser Knochensystem so bildet, daß es zum größten Teil aus abgelagerten Salzen aufgebaut ist. Diese sind nun das ruhende Element in uns, der andere, der entgegengesetzte Pol zu den Vorgängen der inneren Regsamkeit, welche in den Salzablagerungsprozessen im Blut sich abspielen. So werden wir als Menschen von zwei Seiten her in unserer Organisation zum Denker gemacht, von der einen Seite her unbewußt, indem unser Knochensystem aufgebaut wird, von der anderen Seite aus bewußt, indem wir — nach dem Muster unseres Knochenaufbauprozesses — dieselben Prozesse bewußt vollziehen, die sich im Organismus als solche Salzablagerungsprozesse zeigen, von denen wir sagen können, daß sie innerlich regsame sind. Die beim Denken gebildeten Salze müssen sogleich durch den Schlaf wieder aufgelöst, fortgeräumt werden, sonst würden sie etwas wie Zersetzungsprozesse, Auflösungsprozesse im Organismus herbeiführen. Wir haben also im Denken einen wirklichen Zerstörungsprozeß zu sehen. Und durch den wohltätigen Schlaf wird ein Rückbildungsprozeß ausgeübt, der bewirkt, daß das Blut wieder frei wird von Salzablagerungen, so daß wir von neuem bewußte Gedanken im wachen Tagesleben entwickeln können.

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Cite: GA 128/1911-03-27/p019 · edition original