{"corpus":"steiner","locus":"GA 128/1911-03-27/p024","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun ist im heutigen fertigen Organismus die Sache so, daß alle diese Prozesse durchaus ineinanderspielen und daß wir sie, so wie der Organismus vor uns steht, nicht eigentlich so voneinander trennen können, daß wir überall bestimmte Grenzen zu bezeichnen vermöchten; der eine Prozeß spielt in den anderen hinein. Sie brauchen nur das Blutsystem, das regsamste, feinste Element zu betrachten. Im Blut sehen Sie sowohl den Erreger der Salzablagerungsprozesse wie auch der Prozesse der Koagulierung einer flüssigen Substanz und auch der Erwärmungsprozesse. In ähnlicher Art finden wir diese Prozesse auch bei anderen Organsystemen miteinander in enger Beziehung stehend. Wenn wir zum Beispiel Nahrungsmittel von außen in unseren Verdauungskanal aufnehmen, so haben diese Nahrungsmittel noch das, was ich als ihre äußere Regsamkeit bezeichnet habe. Sie machen eine erste Stufe der Durchsiebung durch, indem sie aufgenommen werden im Munde und durch den Kauprozeß vorbereitet werden für den Verdauungsprozeß im Magen; in weiterer Stufenfolge werden sie verarbeitet durch die Organe, die wir als das innere Weltsystem bezeichnet haben, und endlich werden sie herangeführt bis dahin, wo sie das feinste Instrument des menschlichen Organismus, das Blut, ernähren können. Nachdem wir so in gewisser Beziehung eine Stufenfolge der Durchsiebung der Nahrungsstoffe durch die inneren Organsysteme angedeutet haben, können wir uns jetzt leicht denken, daß in der Tat das feinste System, das Blutsystem, sozusagen die durchgesiebtesten Nahrungsregsamkeiten in sich aufnehmen muß und daß das, was an das Blut herantritt, schon am allerwenigsten von demjenigen enthält, was die Nahrungsstoffe an eigener Regsamkeit in sich hatten, als sie aufgenommen wurden. Wenn die Stoffe aufgenommen werden, haben sie noch ein gut Teil ihrer eigenen Natur und Gesetzmäßigkeit. Sie haben diese im Magen und den weiteren Organsystemen, die sie passierten, aufgeben müssen, und soweit sie sich im Blut befinden, sind sie zu etwas vollständig Neuem geworden. Daher ist das Blut auch dasjenige Organ, das am meisten von allen geschützt ist gegen die Eindrücke der Außenwelt, das seine Prozesse am meisten unabhängig von der Außenwelt vollzieht. Das ist die eine Seite; aber wir haben schon eingehend gezeigt, daß das Blut nach zwei Seiten sich wendet, daß es wie eine Tafel sowohl nach der einen wie nach der anderen Seite hin Einwirkungen ausgesetzt ist. Das Blut wird auf der einen Seite ja zu denjenigen Organen in den tieferen Regionen des menschlichen Organismus hingeführt, wo alles, was an Prozessen vorgeht, durch das sympathische Nervensystem zurückgehalten, abgewehrt wird, so daß es nicht zum Bewußtsein kommt. Nun muß das Blut sich ja auch der anderen Seite zuwenden, den Erlebnissen des bewußten Seelenlebens. Es muß nicht nur die unbewußten Vorgänge aufnehmen, sondern es muß auch das bewußte Ich sich einprägen dem Blut. Unsere bewußten Seelentätigkeiten müssen sich so wandeln können, bis sie das Blut erreichen, damit sie in diesem Blute zum Ausdruck werden für das, was wir um uns haben. Was haben wir denn um uns? Die physisch-sinnliche Welt; denn das, was der Pflanzenwelt eingegliedert ist - der Ätherleib -, das ist für das normale Bewußtsein nicht da. Für das helle Tagesbewußtsein gehört der Mensch nur der physischen Welt an; die Lebenswelt ist für uns unsichtbar.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1911-03-27","location":null,"word_count":509,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/128/1911-03-27/p024","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/128/1911-03-27/p024"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/128/1911-03-27/p024","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}