Siebenter Vortrag

GA 128/1911-03-27/p030 ·1911-03-27 · original (original)
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Dann können wir aber auch von der anderen Seite her im Blut die feinsten organischen Vorgänge feststellen, und wir werden uns klar sein müssen, daß wir darin sozusagen die dritte Stufe der Verfeinerung unserer vorverarbeiteten Nahrungsstoffe zu sehen haben. Wenn im Blutorganismus jene feinen Prozesse der Salzbildung, der Quellbarkeit, der Wärme hervorgerufen werden durch äußere Vorgänge, also von außen in ihrem chemischen Verlauf bestimmt werden, so dürfen wir auf der anderen Seite fragen, wodurch die Prozesse im Blut von der inneren Seite her bestimmt werden. Wir müssen da unterscheiden zwischen der Aufgabe, die das Blut hat, und der Tatsache, daß es so ernährt werden muß wie jedes andere Organ auch. Zugleich müssen wir es auch als das Organ erkennen, das auf der höchsten Stufe der organischen Tätigkeit steht. Es kommt hier dasjenige in Betracht, was wir als die innerliche Stütze des menschlichen Lebens bezeichnen können. Das Blut muß vor allen Dingen davor geschützt werden, daß die äußere Welt auf dem Wege der Nahrungsstoffe unmittelbar in das Blut hineinwirkt, es wird sonst seine Tätigkeit als Werkzeug unseres Denkens unterbunden, es wird der Vorgang gestört, den wir als einen Prozeß der Salzablagerung früher bezeichnet haben. Dieser Schutz muß vom Blute selbst ausgehen; es muß imstande sein, nach der geistigen Seite hin gerichtet gleichsam ein geistiges Knochensystem aufzubauen durch die sich täglich wiederholenden Salzablagerungsprozesse. Das ist eine Aufgabe des Blutes, die es unterscheidet von anderen Organen. Von den anderen Organen des menschlichen Organismus erhält es dabei am wenigsten Unterstützung. Am wenigsten spielen die anderen Organe in diesen Salzbildungsprozeß des Blutes herein, so daß das Blut in bezug auf die durch das Denken bedingten Prozesse am meisten verinnerlicht ist, wie Ja in der Tat unsere Gedanken das Innerlichste sind, was wir haben. Mit unseren Gefühlen stehen wir an der Grenze von außen und innen, und mit seinen Willensimpulsen strömt der Mensch so stark nach außen, daß er sich unter Umständen gar nicht wiedererkennt. In seinem Denken wird sich der Mensch immer wiedererkennen, aber in seinen Willensimpulsen nicht. Daß es nicht so klar ist, wie die Willensimpulse entspringen, das können Sie schon daraus sehen, daß in bezug auf Freiheit und Unfreiheit des menschlichen Willens so viel in der Welt gestritten wird. In unserem Denken haben wir also das Innerlichste dessen, was das Blut als Werkzeug des Ich zu verrichten hat. Und weil nun der Prozeß der Salzablagerung am meisten verinnerlicht ist und auch am meisten geschützt sein muß, so kann durch Unregelmäßigkeiten oder Abnormitäten des Blutes auch diese Tätigkeit des Blutes am meisten behindert werden. Und wenn wir merken, daß das Blut so behindert ist, daß es nach dieser Richtung hin seine Tätigkeiten nicht mehr zeigt, so müssen wir uns darüber klar sein, daß es angeregt werden muß zu einer regelmäßigen Tätigkeit, wenn sein Eigenleben unter eine gewisse Grenze heruntergesunken ist.

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Cite: GA 128/1911-03-27/p030 · edition original