Achter Vortrag

GA 128/1911-03-28/p010 ·1911-03-28 · original (original)
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Nun haben wir das Eigentümliche zu verzeichnen, daß, indem wir so im Innern des Organismus darinnenstehen, der Organismus sich ja selbst innerlich organisieren, sich selbst innerlich differenzieren muß. Um allen diesen an ihn herantretenden Anforderungen zu genügen, muß der Organismus eine Vielheit zusammenwirkender Organe herausbilden. Für die mannigfaltigen inneren Verrichtungen ist gerade diese Vielheit der Organe notwendig. Was durch diese erreicht werden muß, werden wir im folgenden sehen. Wenn wir uns denken, daß nur der Nahrungsstrom umgewandelt würde durch die sieben Organe des inneren Weltsystems, da würde der Mensch nimmermehr . sein Wesen dem Bewußtsein aufschließen können. Er würde nicht einmal die dumpfeste Form des Bewußtseins haben können, weil ja alles, was da vorgeht, verhüllt wird, abgehalten wird vom Bewußtsein durch das sympathische Nervensystem. Es ist also eine Verbindung notwendig zwischen diesen sozusagen von außen her aufgebauten inneren Organsystemen und dem, was weiter im Inneren des menschlichen Organismus ist. Diese Verbindung wird dadurch hergestellt, daß in der Tat durch alles das, was der Ernährungsprozeß in seiner Ganzheit gibt, die gesamte Form des menschlichen Organismus durchzogen wird von dem, was wir im weitesten Sinne Gewebe nennen. Eine gewisse Art von Gewebe einfachster Organisation durchzieht alle einzelnen Glieder der menschlichen Wesenheit, das fähig ist, sich so umzuwandeln und auszugestalten, daß sich die verschiedensten Organe herausbilden können. Gewisse Arten des Gewebes zum Beispiel bilden sich so um, daß sie sich durch Einlagerung besonderer Zellen zu den Muskeln umgestalten; andere bilden sich so um, daß sie fest werden und sich die Knochenzellen einlagern, indem sie die entsprechenden Substanzen sich aneignen. So daß wir in den einzelnen Organen des menschlichen Organismus stets an das zu denken haben, was ihnen zugrundeliegt, nämlich das den Körper nach allen Richtungen durchziehende Gewebe, aus dem die einzelnen Organe sich herausbilden. Dieses bildungsfähige Gewebe würde aber, wenn es noch so sehr zu wachsen und die verschiedensten Organe aus sich herauszubilden imstande wäre, doch nichts anderes darstellen als im Grunde nur etwas Pflanzenhaftes; denn das ist ja das Wesentliche des Pflanzenhaften, daß die pflanzlichen Wesen wachsen, daß sie aus sich Organe hervortreiben und dergleichen. Indem sich aber der Mensch über das Pflanzenhafte hinaus erhebt, muß sich uns ein ganz neues Element darbieten, durch welches der Mensch in die Lage kommt, zu dem Pflanzenleben dasjenige hinzuzufügen, was ihn über das Pflanzenleben hinaushebt. Der Mensch muß hinzufügen das Bewußtsein, zunächst die einfachste Form des Bewußtseins, das dumpfe Bewußtsein, das ihn fähig macht, das eigene innere Leben wahrzunehmen. Solange nicht ein Wesen das eigene innere Leben bewußt miterlebt, solange es noch nicht in der Lage ist, sich innerlich gleichsam zu durchspiegeln, um dieses eigene innere Leben mitzuerleben, so lange können wir nicht sagen, daß es sich über die Pflanzenhaftigkeit hinauferhebt. Erst dadurch erhebt sich ein Wesen über die Pflanzenhaftigkeit hinauf, daß es nicht bloß in sich Leben hat, sondern dieses Leben bewußt erlebt, daß es zunächst diese inneren Vorgänge durchspiegelt und miterlebt.

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