Achter Vortrag
Würde der Mensch seinen Organismus nur entwickelt haben bis zur Bildung des Körpergewebes und der Organe, die für die inneren Verdauungsvorgänge und für die Absonderungen in die Lymphbahnen notwendig sind, so würde er nur ein dumpfes Bewußtsein seines Innenlebens vermittelt erhalten können. Er würde aber nicht eine Ausbildung des Ich-Bewußtseins erreichen können; das kann er nur erwerben, wenn er sich nicht bloß in seinem Inneren erlebt, sondern sich auch nach außen aufschließt. Hier haben wir wiederum ein Sichaufschließen nach außen zu verzeichnen. Wir haben ja schon früher davon gesprochen, wie es dem Menschen durch die Atmung möglich wird, unmittelbar mit der Außenwelt in Verbindung zu treten. Jetzt können wir weitergehen und sagen: Sofern wir den inneren Menschen betrachten, dürfen wir eigentlich nur bis zum Verdauungssystem gehen, denn wir können sagen: Insofern Ausläufer der Organe des inneren Weltsystems bis zum Verdauungskanal sich hinwenden, haben wir in diesem Anstoßen des inneren Weltsystems an den Verdauungskanal schon ein Sichaufschließen nach außen zu sehen, denn der Mensch ist gleichsam bereit, Nahrungsstoffe von außen aufzunehmen. Indem er mit aus der Umwelt entnommenen Nahrungsstoffen in enge Berührung tritt, ist er eigentlich schon nicht mehr nur innerlich. Ein weiteres Sichaufschließen nach außen haben wir kennengelernt in der Atmung, und in noch höherem Maße ist es zu erkennen in jenen Organen, die den seelischen Funktionen dienen.
Cite:
GA 128/1911-03-28/p012 · edition original