Achter Vortrag

GA 128/1911-03-28/p046 ·1911-03-28 · original (original)
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Wir haben gesehen, daß die Erde als Ergebnis des dichtesten «Vererdigungsprozesses» in uns hervorgebracht hat das Knochensystem, und als das am wenigsten verdichtete, als das regsamste, das Blutsystem. Und es soll nur noch kurz hinzugefügt werden, daß alles, was vorgeht im irdisch-physischen Menschenorganismus, hinaufdringt bis zu den Vorgängen, die sich im Blute abspielen; das sind die Erwärmungsvorgänge. Wir haben in diesen Erwärmungsvorgängen des Blutes den unmittelbaren Ausdruck des Ich und damit das oberste Niveau zu sehen, und darunter sich abspielend die anderen Prozesse des menschlichen Organismus. Der Erwärmungsprozeß ist also das Höchste, in diesen greift unsere Ich-Seelentätigkeit unmittelbar ein. Deshalb fühlen wir auch etwas wie eine Verwandlung unserer Ich-Seelentätigkeit in ein inneres Warmwerden, das bis zum physischen Warmwerden im Blutprozeß gehen kann. Wir sehen also, wie das Geistig-Seelische von oben nach unten gehend durch den Erwärmungsprozeß eingreift in das Organische, das Physiologische, und wir könnten noch an vielen anderen Tatsachen zeigen, wie das Geistig-Seelische sich in Erwärmungsprozessen berührt mit dem Organischen. Erwärmungsprozesse haben wir auch durch die Vorgänge in den Ernährungsorganen. Durch die Tätigkeit der komplizierten Apparate des Ernährungssystems finden die mannigfaltigsten Verwandlungen statt, durch die es im physischen Organismus zu Erwärmungsprozessen kommt. Diese erstrecken sich von unten nach oben. Es reicht also im Erwärmungsprozeß der physische Organismus des Menschen bis hinauf ins Geistig-Seelische. Hören damit die Umwandlungen auf? Oder gehen sie weiter? Was dann folgt, kann nur angedeutet werden; es muß zunächst dem weiteren Nachdenken und namentlich Nachfühlen eines jeden Zuhörers überlassen werden. Wenn wir diese Umwandlungen mit Gefühlen wirklicher Ehrfurcht für den menschlichen Organismus betrachten können, so lernen wir einsehen, daß Physiologie nicht eine trockene Wissenschaft zu sein braucht, sondern eine Quelle höchster menschlicher Erkenntnis sein kann.

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