Schlaf und Tod
Alles bloße Träumen und Phantasieren von dem Übersinnlichen bringt nur Verwirrung. Denn es ist ungeeignet, die Gegner zu befriedigen. Diese sind ja im Recht, wenn sie sagen, solches Hinweisen auf übersinnliche Wesen im allgemeinen fördert in nichts das Verständnis der Tatsachen. Gewiss, solche Gegner mögen auch gegenüber den bestimmten Angaben der Geisteswissenschaft das gleiche sagen. Dann aber kann hingewiesen werden darauf, wie sich im offenbaren Leben die Wirkungen der verborgenen geistigen Ursachen zeigen. Es kann gesagt werden: man nehme einmal an, es sei richtig, was die Geistesforschung durch Beobachtung festgestellt haben will, dass der Mensch nach seinem Tode eine Läuterungszeit durchgemacht habe und dass er während derselben seelisch erlebt habe, welches Hemmnis in der fortschreitenden Entwicklung eine bestimmte Tat sei, die er in einem vorhergegangenen Leben vollführt hat. Während er dieses erlebt hat, bildete sich in ihm der Trieb, die Folgen dieser Tat zu verbessern. Diesen Trieb bringt er sich für ein neues Leben mit. Und das Vorhandensein dieses Triebes bildet jenen Zug in seinem Wesen, der ihn an einen Platz stellt, von dem aus die Verbesserung möglich ist. Man beachte eine Gesamtheit solcher Triebe, und man hat eine Ursache für die schicksalsgemäße Umgebung, in welche ein Mensch hineingeboren wird. — Ebenso kann es mit einer anderen Annahme gehen. Man setze wieder voraus, es sei richtig, was von der Geisteswissenschaft gesagt wird, die Früchte eines verflossenen Lebens werden dem geistigen Keim des Menschen einverleibt, und das Geisterland, in dem sich dieser zwischen Tod und neuem Leben befindet, sei das Gebiet, in dem diese Früchte reifen, um, zu Anlagen und Fähigkeiten umgestaltet, in einem neuen Leben zu erscheinen und die Persönlichkeit so zu gestalten, dass sie als die Wirkung dessen erscheint, was in einem vorigen Leben gewonnen worden ist. — Wer diese Voraussetzungen macht und mit ihnen unbefangen das Leben betrachtet, dem wird sich zeigen, dass durch sie alles Sinnlich-Tatsächliche in seiner vollen Bedeutung und Wahrheit anerkannt werden kann, dass aber zugleich alles das begreiflich wird, was bei einem bloßen Bauen auf die sinnlichen Tatsachen für denjenigen immer unbegreiflich bleiben muss, dessen Gesinnung nach der geistigen Welt hin gerichtet ist. Und vor allem, es wird jede Unlogik von der Art verschwinden, wie die früher angedeutete eine ist: weil der bedeutendste Name am Ende einer Blutsgenossenschaft steht, müsse der Träger seine Begabung ererbt haben. Das Leben wird logisch begreiflich durch die von der Geisteswissenschaft ermittelten übersinnlichen Tatsachen.