Schlaf und Tod

GA 13/l03/p030 · original (original)
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[^2]: Der Zusammenhang von Schlaf und Ermüdung wird zumeist nicht in einer durch die Tatsachen geforderten Weise angesehen. Man denkt, der Schlaf trete ein infolge der Ermüdung. Dass diese Vorstellung viel zu einfach ist, kann jedes Einschlafen eines oft gar nicht ermüdeten Menschen beim Anhören einer ihn nicht interessierenden Rede oder bei ähnlicher Gelegenheit zeigen. Wer behaupten will, bei solcher Veranlassung ermüde eben der Mensch, der erklärt doch nach einer Methode, welcher der rechte Erkenntnisernst mangelt. Unbefangene Beobachtung muss denn doch darauf kommen, dass Wachen und Schlafen verschiedene Verhältnisse der Seele zum Leibe darstellen, die im regelmäßigen Lebensverlaufe in rhythmischer Folge wie linker und rechter Pendelausschlag auftreten müssen. Es ergibt sich bei solch unbefangener Beobachtung, dass das Erfülltsein der Seele mit den Eindrücken der Außenwelt in dieser die Begierde erweckt, nach diesem Zustand in einen andern einzutreten, indem sie im Genus der eigenen Leiblichkeit aufgeht. Es wechseln zwei Seelenzustände: Hingegebensein an die Außeneindrücke und Hingegebensein an die eigene Leiblichkeit. In dem ersten Zustande wird unbewusst die Begierde nach dem zweiten erzeugt, der selbst dann im Unbewussten verläuft. Der Ausdruck der Begierde nach dem Genusse der eigenen Leiblichkeit ist die Ermüdung. Man muss also eigentlich sagen: man fühle sich ermüdet, weil man schlafen will, nicht man wolle schlafen, weil man sich ermüdet fühle. Da nun die Menschenseele durch Gewöhnung die im normalen Leben notwendig auftretenden Zustände auch willkürlich in sich hervorrufen kann, so ist es möglich, dass sie, wenn sie sich für einen gegebenen äußeren Eindruck abstumpft, in sich die Begierde hervorruft nach dem Genus der eigenen Leiblichkeit; das heißt, dass sie einschläft, wenn durch die innere Verfassung des Menschen keine Veranlassung dazu ist.

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