Die Weltentwicklung und der Mensch

GA 13/l04/p017 · original (original)

Es wird, wenn man sich einer unbefangenen Betrachtung des Menschen hingibt, keine Schwierigkeiten machen, sich diese verschiedenen Vollkommenheitsgrade der einzelnen Glieder richtig vorzustellen. Man braucht nur den physischen Leib mit dem astralischen in dieser Beziehung zu vergleichen. Gewiss steht der Astralleib als seelisches Glied auf einer höheren Stufe der Entwicklung als der physische. Und wenn der erstere in der Zukunft sich vervollkommnet haben wird, so wird er für die Gesamtwesenheit des Menschen sehr viel mehr zu bedeuten haben, als der gegenwärtige physische Leib. Doch in seiner Art ist dieser auf einer gewissen Höhenstufe angelangt. Man bedenke den im Sinne größter Weisheit eingerichteten Bau des Herzens, den Wunderbau des Gehirns usw., ja selbst eines einzelnen Knochenteiles, zum Beispiel des oberen Endes eines Oberschenkels. Man findet in diesem Knochenende ein gesetzmäßig gegliedertes Netz- oder Gerüstwerk, aus feinen Stäbchen angeordnet. Das Ganze ist so gefügt, dass mit der Aufwendung der geringsten Materialmenge die günstigste Wirkung an den Gelenkflächen, zum Beispiel die zweckmäßigste Verteilung der Reibung und damit eine richtige Art von Beweglichkeit erzielt wird. So findet man weisheitsvolle Einrichtungen in den Teilen des physischen Leibes. Und wer dazu weiter beachtet die Harmonie im Zusammenwirken der Teile zum Ganzen, der wird gewiss richtig finden, wenn von einer Vollkommenheit dieses Gliedes der menschlichen Wesenheit in seiner Art gesprochen wird. Es kommt daneben nicht in Betracht, dass an gewissen Teilen unzweckmäßig Erscheinendes auftritt oder dass Störungen in dem Bau und den Verrichtungen eintreten können. Man wird sogar finden können, dass solche Störungen in gewisser Beziehung nur die notwendigen Schattenseiten des weisheitsvollen Lichtes sind, das über den ganzen physischen Organismus ausgegossen ist. Und nun vergleiche man damit den Astralleib als den Träger von Lust und Leid, von Begierden und Leidenschaften. Welche Unsicherheit herrscht in ihm in bezug auf Lust und Leid, welche dem höheren Menschenziele zuwiderlaufenden, oft sinnlosen Begierden und Leidenschaften spielen sich da ab. Der Astralleib ist eben erst auf dem Wege, die Harmonie und innere Geschlossenheit zu erlangen, die man im physischen Leibe schon antrifft. Ebenso könnte gezeigt werden, dass sich der Ätherleib zwar vollkommener in seiner Art zeigt als der Astralleib, aber unvollkommener als der physische. Und nicht weniger wird sich einer entsprechenden Betrachtung ergeben, dass der eigentliche Kern der menschlichen Wesenheit, das «Ich», gegenwärtig erst im Anfange der Entwicklungen steht. Denn wieviel hat dieses Ich bereits erreicht von seiner Aufgabe, die andern Glieder der menschlichen Wesenheit so umzuwandeln, dass sie eine Offenbarung seiner eigenen Natur seien? — Was sich auf diese Art schon bei einer äußerlichen Beobachtung ergibt, das wird für den Kenner der Geisteswissenschaft noch durch etwas anderes verschärft. Man könnte sich darauf berufen, dass der physische Leib von Krankheiten befallen wird. Die Geisteswissenschaft ist nun in der Lage zu zeigen, dass ein großer Teil aller Krankheiten davon herrührt, dass die Verkehrtheiten, die Verirrungen im astralischen Leibe sich auf den Ätherleib fortpflanzen und auf dem Umwege durch den letztem die an sich vollkommene Harmonie des physischen Leibes zerstören. Der tiefere Zusammenhang, auf den hier nur hingedeutet werden kann, und der wahrhaftige Grund vieler Krankheitsvorgänge entziehen sich nämlich derjenigen wissenschaftlichen Betrachtung, die sich nur auf die physisch-sinnlichen Tatsachen beschränken will. Es ergibt sich dieser Zusammenhang in den meisten Fällen so, dass eine Schädigung des Astralleibes krankhafte Erscheinungen des physischen Leibes nicht in demselben Lebenslauf nach sich zieht, in dem die Schädigung geschehen ist, sondern erst in einem folgenden. Daher haben die Gesetze, die hier in Betracht kommen, nur für denjenigen eine Bedeutung, welcher die Wiederholung des Menschenlebens anerkennen kann. Aber selbst, wenn man von solchen tiefergehenden Erkenntnissen nichts wissen wollte, so ergibt doch auch die gewöhnliche Lebensbetrachtung, dass der Mensch sich nur allzuvielen Genüssen und Begierden hingibt, welche die Harmonie des physischen Leibes untergraben. Und Genuss, Begierde, Leidenschaft usw. haben nicht ihren Sitz im physischen, sondern im astralischen Leibe. Dieser letztere ist in vieler Beziehung eben noch so unvollkommen, dass er die Vollkommenheit des physischen Leibes zerstören kann. — Auch hier sei darauf hingewiesen, dass mit solchen Auseinandersetzungen nicht etwa die Aussagen der Geisteswissenschaft über die Entwicklung der vier Glieder der menschlichen Wesenheit bewiesen werden sollen. Die Beweise werden aus der geistigen Forschung entnommen, die zeigt, dass der physische Leib eine viermalige Umwandlung zu höheren Vollkommenheitsgraden hinter sich hat, und die andern Glieder des Menschen in der geschilderten Weise weniger. Es sollte hier eben nur angedeutet werden, dass sich diese Mitteilungen der geistigen Forschung auf Tatsachen beziehen, die sich in ihren Wirkungen an den auch äußerlich zu beobachtenden Vollkommenheitsgraden von physischem Leib, Lebensleib usw. zeigen.

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