{"corpus":"steiner","locus":"GA 13/l04/p087","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Indem sich nun die Menschen auf der Erde wieder vermehrten, war in den Nachkommen kein Grund mehr, dass nicht Menschenseelen in ihnen zur Verkörperung hätten schreiten sollen. So wie jetzt die Erdmondenkräfte wirkten, gestalteten sich unter ihrem Einflusse die Menschenleiber durchaus geeignet zur Verkörperung von Menschenseelen. Und es wurden jetzt die vorher auf den Mars, den Jupiter usw. entrückten Seelen auf die Erde gelenkt. Es war dadurch für jeden Menschennachkommen, der in der Generationenfolge geboren wurde, eine Seele da. Das dauerte so durch lange Zeiten hindurch, so dass der Seelenzuzug auf der Erde der Vermehrung der Menschen entsprach. Diejenigen Seelen, welche nun mit dem Erdentode den Leib verließen, behielten für den leibfreien Zustand den Nachklang der irdischen Individualität wie eine Erinnerung zurück. Diese Erinnerung wirkte so, dass sie, wenn wieder ein ihnen entsprechender Leib auf der Erde geboren wurde, sich wieder in einem solchen verkörperten. Innerhalb der menschlichen Nachkommenschaft gab es in der Folge solche Menschen, welche von außen kommende Seelen hatten, die zum ersten Male wieder nach den ersten Zeiten der Erde auf dieser erschienen, und andere mit irdisch wiederverkörperten Seelen. Immer weniger werden nun in der Folgezeit der Erdenentwicklung die zum ersten Male erschienenen jungen Seelen und immer mehr die wiederverkörperten. Doch bestand das Menschengeschlecht für lange Zeiten aus den durch diese Tatsachen bedingten beiden Menschenarten. Auf der Erde empfand sich der Mensch nunmehr durch das gemeinsame Gruppen-Ich mit seinen Vorfahren verbunden. Das Erlebnis des individuellen Ich war dafür umso stärker im leibfreien Zustande zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Diejenigen Seelen, welche, vom Himmelsraume kommend, in Menschenleibern einzogen, waren in einer andern Lage als diejenigen, welche bereits ein oder mehrere Erdenleben hinter sich hatten. Die ersteren brachten für das physische Erdenleben als Seelen nur die Bedingungen mit, welchen sie durch die höhere geistige Welt und durch ihre außer dem Erdenbereiche gemachten Erlebnisse unterworfen waren. Die andern hatten in früheren Leben selbst Bedingungen hinzugefügt. Das Schicksal jener Seelen war nur von Tatsachen bestimmt, die außerhalb der neuen Erdenverhältnisse lagen. Dasjenige der wiederverkörperten Seelen ist auch durch dasjenige bestimmt, was sie selbst in früheren Leben unter den irdischen Verhältnissen getan haben. Mit der Wiederverkörperung trat zugleich das menschliche Einzel-Karma in die Erscheinung. — Dadurch, dass der menschliche Lebensleib dem Einflusse des Astralleibes in der oben angedeuteten Art entzogen wurde, trat auch das Fortpflanzungsverhältnis nicht in den Umkreis des menschlichen Bewusstseins, sondern es stand unter der Herrschaft der geistigen Welt. Wenn sich eine Seele niedersenken sollte auf den Erdkreis, dann traten die Impulse für die Fortpflanzung beim Erdenmenschen auf. Der ganze Vorgang war bis zu einem gewissen Grade für das irdische Bewusstsein in ein geheimnisvolles Dunkel gehüllt. — Aber auch während des Erdenlebens traten die Folgen dieser teilweisen Trennung des Lebensleibes vom physischen Leibe ein. Es konnten die Fähigkeiten dieses Lebensleibes durch den geistigen Einfluss besonders erhöht werden. Für das Seelenleben machte sich dies dadurch geltend, dass das Gedächtnis seine besondere Ausbildung erhielt. Das selbständige logische Denken war in dieser Zeit des Menschen nur in den allerersten Anfängen. Dafür war die Erinnerungsfähigkeit fast grenzenlos. Nach außen zeigte sich, dass der Mensch eine unmittelbare gefühlsmäßige Erkenntnis von den Wirkungskräften alles Lebendigen hatte. Er konnte die Kräfte des Lebens und der Fortpflanzung der tierischen und namentlich pflanzlichen Natur in seinen Dienst stellen. Was die Pflanze antreibt zum Wachsen, das zum Beispiel konnte der Mensch aus der Pflanze herausziehen und es verwenden, wie gegenwärtig die Kräfte der leblosen Natur, zum Beispiel die in den Steinkohlen schlummernde Kraft aus dieser herausgezogen und dazu verwendet wird, Maschinen zu bewegen. (Näheres über diese Sache findet man in meiner kleinen Schrift «Unsere atlantischen Vorfahren».) — Auch das innere Seelenleben des Menschen veränderte sich durch den luziferischen Einfluss in der mannigfaltigsten Art. Es könnten viele Arten von Gefühlen und Empfindungen angeführt werden, welche dadurch entstanden sind. Nur einiges mag erwähnt werden. Bis zu diesem Einflusse hin wirkte die Menschenseele in dem, was sie zu gestalten und zu tun hatte, im Sinne der Absichten höherer geistiger Wesenheiten. Der Plan zu allem, was ausgeführt werden sollte, war von vornherein bestimmt. Und in dem Grade, als das menschliche Bewusstsein überhaupt entwickelt war, konnte es auch voraussehen, wie sich in der Zukunft die Dinge nach dem vorgefassten Plane entwickeln müssen. Dieses vorausschauende Bewusstsein ging verloren, als sich vor die Offenbarung der höheren geistigen Wesenheiten der Schleier der irdischen Wahrnehmungen hinwob und in ihnen die eigentlichen Kräfte der Sonnenwesen sich verbargen. Ungewiss wurde nunmehr die Zukunft. Und damit pflanzte sich der Seele die Möglichkeit des Furchtgefühles ein. Die Furcht ist eine unmittelbare Folge des Irrtums. — Man sieht aber auch, wie mit dem luziferischen Einflusse der Mensch unabhängig wurde von bestimmten Kräften, denen er vorher willenlos hingegeben war. Er konnte nunmehr aus sich heraus Entschlüsse fassen. Die Freiheit ist das Ergebnis dieses Einflusses. Und die Furcht und ähnliche Gefühle sind nur Begleiterscheinungen der Entwicklung des Menschen zur Freiheit.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Die Weltentwicklung und der Mensch","site_heading":null,"date":null,"location":null,"word_count":806,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/13/l04/p087","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["AP1972","RSP1969"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/13/l04/p087"},{"lang":"en","edition":"RSP1969","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/13/l04/p087"},{"lang":"en","edition":"AP1972","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":false,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/13/l04/p087?edition=AP1972","paragraph_aligned":true}]}