Die Erkenntnis der höheren Welten (von der Einweihung oder Initiation)
Die Mittel der Einweihung führen den Menschen aus dem gewöhnlichen Zustande des Tagesbewusstseins in eine solche Seelentätigkeit hinein, durch welche er sich geistiger Beobachtungswerkzeuge bedient. Diese Werkzeuge sind wie Keime vorher in der Seele vorhanden. Diese Keime müssen entwickelt werden. — Nun kann der Fall eintreten, dass ein Mensch in einem bestimmten Zeitpunkte seiner Lebenslaufbahn ohne besondere Vorbereitung in seiner Seele die Entdeckung macht, es haben sich solche höhere Werkzeuge in ihm entwickelt. Es ist dann eine Art von unwillkürlicher Selbsterweckung eingetreten. Solch ein Mensch wird sich dadurch in seinem ganzen Wesen umgewandelt finden. Eine unbegrenzte Bereicherung seiner Seelenerlebnisse tritt ein. Und er wird finden, dass er durch keine Erkenntnisse der Sinnenwelt eine solche Beseligung, solche befriedigende Gemütsverfassung und innere Wärme empfinden kann, wie durch dasjenige, was sich einer Erkenntnis erschließt, die nicht dem physischen Auge zugänglich ist. Kraft und Lebenssicherheit wird in seinen Willen aus einer geistigen Welt einströmen. — Solche Fälle von Selbsteinweihung gibt es. Sie sollten aber nicht zu dem Glauben verführen, dass es das einzig Richtige sei, eine solche Selbsteinweihung abzuwarten und nichts zu tun, um die Einweihung durch regelrechte Schulung herbeizuführen. Von der Selbsteinweihung braucht hier nicht gesprochen zu werden, da sie eben ohne Beobachtung irgendwelcher Regeln eintreten kann. Dargestellt aber soll werden, wie man durch Schulung die in der Seele keimhaft ruhenden Wahrnehmungsorgane entwickeln kann. Menschen, welche keinen besonderen Antrieb in sich verspüren, für ihre Entwicklung selbst etwas zu tun, werden leicht sagen: das Menschenleben steht in der Leitung von geistigen Mächten, in deren Führung soll man nicht eingreifen; man soll ruhig des Augenblickes harren, in dem jene Mächte es für richtig halten, der Seele eine andere Welt zu erschließen. Es wird wohl auch von solchen Menschen wie eine Art von Vermessenheit empfunden, oder als eine unberechtigte Begierde, in die Weisheit der geistigen Führung einzugreifen. Persönlichkeiten, welche so denken, werden erst dann zu einer anderen Meinung geführt, wenn auf sie eine gewisse Vorstellung einen genügend starken Eindruck macht. Wenn sie sich sagen: Jene weise Führung hat mir gewisse Fähigkeiten gegeben; sie hat mir diese nicht verliehen, auf dass ich sie unbenützt lasse, sondern damit ich sie gebrauche. Die Weisheit der Führung besteht darin, dass sie in mich die Keime gelegt hat zu einem höheren Bewusstseinszustande. Ich verstehe diese Führung nur, wenn ich es als Pflicht empfinde, dass alles dem Menschen offenbar werde, was durch seine Geisteskräfte offenbar werden kann. Wenn ein solcher Gedanke einen genügend starken Eindruck auf die Seele gemacht hat, dann werden die obigen Bedenken gegen eine Schulung in bezug auf einen höheren Bewusstseinszustand schwinden.