Der Christus-Impuls im historischen Werdegang
Entweder weiß der Mensch oder er ahnt es, dass in allem, was uns als Natur, als Wald und Gipfel, als Wetter und Gewittersturm umgibt, eine Geistigkeit waltet, die, nach dem Ausspruche einer bedeutenden Persönlichkeit des Abendlandes, schon eine Geistigkeit ist, welche konsequenter ist als das Handeln und Fühlen und Denken des Menschen. Die Ahnung muss uns ja überkommen, dass in alledem, was uns so umgibt als Wald und Gipfel, Berg und See, der Geist spricht. Und in der Theosophie werden wir ja immer mehr und mehr gewahr, wie aus allem, was uns in der Natur umgibt, aus allem, was uns als fester Boden trägt, das, was daraus spricht, Geist ist. Wir werden in altersgraue Zeiten verwiesen und sagen uns: Wir stammen aus der geistigen Vergangenheit, sind die Kinder von alten Zeiten. So wie wir unsere Kunstwerke erzeugen, wie wir dem obliegen, was sie zu unserer Handhabung geeignet macht, so haben unsere Vorfahren ihre Werkzeuge geschaffen. Und was als Naturerscheinungen um uns ist, es ist das Produkt der Arbeit der Göttervorfahren in vergangenen uralten Zeiten. Wenn wir uns durchdringen von solch einem Gefühl, dann wird uns alle Natur nach und nach zu dem, was sie aller geistigen Wissenschaft zu allen Zeiten war. Sie wird uns zwar zu einer Maya, aber zu einer Maya, die groß und schön ist aus dem Grunde, weil sie das Werk ist des Göttlich-Geistigen. Und so gehen wir, wenn wir in die Natur hinausgehen, in die Denkmäler geistiger Arbeit der alten vorirdischen Zeit. Dann überkommt uns jenes große, jenes starke Gefühl, das durchaus eine Vertiefung des Naturgefühls bewirken und uns mit Wärme durchdringen kann.
Cite:
GA 130/1911-09-19/p005 · edition original