Buddha und Christus. Die Sphäre der Bodhisattvas
In der Tat ist es auch so, dass jene Individualität, die fünf bis sechs Jahrhunderte vor dem Beginne unserer Zeitrechnung vom Bodhisattva zum Buddha geworden ist, nicht mehr in einem physischen Leib sich inkarniert hat und auch nicht mehr in einem physischen Leib sich inkarnieren kann. Dafür aber sendet sie aus den höheren Welten, aus den übersinnlichen Welten, die Kräfte herunter und inspiriert alle die Kulturträger, die noch nicht von dem Christus-Impulse durchsetzt sind. Ein Bewusstsein davon war vorhanden in einer schönen Legende, welche Johann von Damaskus im achten Jahrhundert niedergeschrieben hat und die berühmt wurde durch alle europäischen Länder hindurch im Mittelalter. Es ist die Legende von Barlaam und Josaphat, welche uns in der Tat zeigt, wie derjenige, welcher der Nachfolger des Buddha geworden ist — Josaphat ist in lautlicher Umwandlung derselbe Name für Bodhisattva - von Barlaam für die christlichen Impulse belehrt worden ist. Diese Legende, die dann vergessen worden ist, erzählt uns, dass der Nachfolger des Bodhisattva von einem Vertreter des Christentums, Barlaam, belehrt worden ist, und sie will zeigen, dass derjenige Bodhisattva, der auf den Gautama Buddha gefolgt war, in der Tat die christlichen Impulse in sein eigenes Seelenleben aufgenommen hat. Und so ist es auch. Denn der zweite Impuls, der außer dem Buddha-Impuls in der Menschheitsevolution nun fortwirkt, das ist der Christus-Impuls, und dieser Impuls ist derjenige, welcher in der Zukunft dem Aufstieg der Menschheit zur Moralität entspricht. Daher kann man sagen: Wenn auch die Buddha-Lehre eine im besonderen Sinne moralische Lehre ist, so ist sie eben eine moralische Lehre, während der Christus-Impuls nicht Lehre, sondern Kraft ist. Er wirkt als moralische Kraft, die immer mehr und mehr sich so gestaltet, dass sie die Menschheit wirklich mit Moralität durchdringt.
Cite:
GA 130/1911-09-21/p022 · edition original