Das rosenkreuzerische Christentum

GA 130/1911-09-27/p012 ·1911-09-27 · original (original)
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An einem Orte in Europa, von dem noch nicht gesprochen werden darf - aber es wird in nicht ferner Zeit auch dies geschehen können -, bildete sich eine hochgeistige Loge, ein Kollegium von zwölf Männern, welche die ganze Summe der geistigen Weisheit alter Zeiten und ihrer eigenen Zeit in sich aufgenommen hatten. Es handelt sich darum, dass in jener verfinsterten Zeit zwölf Menschen lebten, zwölf hervorragende Geister, die sich vereinigten, um den Menschheitsfortschritt zu fördern. Sie konnten alle nicht unmittelbar hineinschauen in die geistige Welt, aber sie konnten regsam machen in sich die Erinnerung an das, was sie durch frühere Einweihung erlebt hatten. Und das Menschheitskarma hatte es so gefügt, dass in sieben dieser zwölf Menschen dasjenige verkörpert war, was der Menschheit geblieben war an Resten der alten atlantischen Epoche. In meiner «Geheimwissenschaft» ist ja schon gesagt, dass in den sieben alten heiligen Rishis, den Lehrern der urindischen Kulturzeit, hinübergetragen wurde das, was von der atlantischen Epoche übriggeblieben war. Die sieben Männer, die im dreizehnten Jahrhundert wieder inkarniert waren, die ein Teil des Kollegiums der Zwölf waren, das waren eben diejenigen, die zurückblicken konnten auf die sieben Strömungen der alten atlantischen Entwicklungsepoche der Menschheit und auf das, was als diese sieben Strömungen fortlebte. Von diesen sieben Individualitäten konnte jede immer nur eine Strömung fruchtbar machen für die damalige und die heutige Zeit. Zu diesen Sieben kamen vier andere, die nicht auf längst verflossene Urzeiten zurückblicken konnten wie die erstgenannten sieben Weisen, sondern diese vier Persönlichkeiten konnten zurückblicken auf das, was die Menschheit sich angeeignet hatte von okkulter Weisheit in den vier nachatlantischen Kulturperioden. Von diesen Vier konnte der Erste auf die urindische Zeit zurückblicken, der Zweite auf die urpersische Kulturzeit, der Dritte auf die ägyptisch-chaldäisch-assyrisch-babylonische Kulturzeit, der Vierte auf die griechisch-lateinische Kultur. Diese Vier vereinigten sich mit den Sieben zu dem Kollegium der weisen Männer im dreizehnten Jahrhundert. Ein Zwölfter endlich hatte gewissermaßen am wenigsten an Erinnerungen, aber er war der Intellektuellste von ihnen, der besonders die äußeren Wissenschaften zu pflegen hatte. Diese zwölf Individualitäten lebten ja nicht nur in den Erlebnissen des abendländischen Okkultismus, diese zwölf verschiedenen Weisheitsströmungen wirkten zusammen zu einem Gesamtbilde. Eine ganz besondere Art, darauf hinzuweisen, finden wir bei Goethe in seinem Gedicht «Die Geheimnisse».

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Cite: GA 130/1911-09-27/p012 · edition original